Wellenlager

Das wollten wir wechseln, solange wir noch da sind, die Welle hatte etwas viel Spiel und Bewegungsfreiheit. Im September war es zu heiß, jetzt nach dem Sturm kam auch der Herbst und damit Temperaturen, die nicht mehr bei jeder Bewegung einen Schweißausbruch auslösen – also Zeit für letzte „Kleinigkeiten“. Die eigentliche Idee zum Wechsel des Lagers war, den Propeller abzuschrauben und die innen liegende Gummidichtung von innen nach außen zu klopfen (bei dem Lager handelt es sich um ein Messingrohr mit Gummidichtung, durch die die Antriebswelle nach außen geführt wird und auch die Lage stabilisiert).

Wie wir uns eigentlich hätten denken können, war das nun doch nicht so einfach. Die Messinghülse des alten Lagers war eine innige Verbindung mit ihrer Halterung eingegangen und wollte sich partout nicht lösen. Also musste die Welle raus – um sie vom Getriebe zu lösen, mussten „nur“ 13 ziemlich fest sitzende Schrauben gelöst werden (die selbstverständlich „super zugänglich“ hinter dem Motor unter der Steuersäule saßen). Und dann noch die Welle aus ihrer Halterung lösen (die beiden konnten sich auch nur schwer trennen). Und schon konnten wir sehen, dass es unabhängig vom Lager gut war, die Welle zu ziehen – die muss nämlich auch gewechselt werden.

Edelstahl und Salzwasser vertragen sich nicht so wirklich, der Stahl wird regelrecht aufgefressen, auch Lochfraß genannt (dem ein oder anderen sicher noch aus der Werbung bekannt). Eine Opferanode hatten wir zwar mal, diese aber irgendwann verloren und einfach keine passende mehr gefunden.

Obwohl die Welle raus war, galt das nun immer noch nicht für die Messinghülse des Lagers. Diese konnte jetzt aber mit Hilfe von Säge, Hammer und Rundeisen entfernt werden. Das ganze irgendwann als Puzzle wieder zusammenzubauen dürfte nicht ganz so schwierig werden, das steht dann aber an, wenn wir wieder zurück aus Deutschland sind. Montag geht unser Flug, Sonntag werden wir hier von Freunden abgeholt, und zuvor kommen wir unmöglich an eine neue Welle. Es eilt ja aber nun auch nicht wirklich.

Yellowstone Nationalpark

Da der Yellowstone Nationalpark (hier die offizielle Seite) auf dem Weg nach Osten so gut wie auf dem Weg liegt, war es für uns keine Frage, da noch einen Zwischenstopp einzulegen. Wir hatten uns eine Route durch den Park überlegt, so dass wir an den für uns interessantesten Punkten vorbei kommen. Eigentlich war das auch die einzig logische Route, wenn man im Norden einfährt und dann nach Osten will, also den Ost-Ausgang nimmt. Und es war eine sehr schöne!

Am Ankunftstag wurden wir schon während der Anfahrt belohnt. Durch wunderschöne, weite Täler geht die Strasse, gesäumt von leicht ansteigenden Hügeln, spätestens hier sind wir im weitern, wilden Westen der USA angekommen. Auf Empfehlung der Info am Eingang sind wir direkt zum Campingplatz gefahren, der Plätze nach dem Windhundprinzip („first-come, first-served“) vergeben werden (wie übrigens bei den meisten Plätzen in den kanadischen Parks). Nachdem wir unseren Platz gesichert haben, sind wir noch zu den Mamoth Hot Springs gleich im Norden des Parks gefahren. Und waren direkt mittendrin im leichten „Duft“ nach faulen Eiern, der uns den ganzen Park über begleiten sollte.

Im ganzen Park gibt es immer Stellen, an denen Rauch aus dem Boden aufsteigt, mehr oder weniger große weiße Flächen, und das ganze zwischen Wiesen, Flußläufen, Wäldern und Schluchten. Beeindruckend schön! Leider gibt es im Park, trotz der Nachsaison (der Herbst ist schon deutlich zu spüren und nicht mehr alle Campingplätze haben geöffnet), unglaublich viele Menschen. Dass wir allein unterwegs sind, hatten wir nicht erwartet, aber zur Hochsaison würden wir uns das nicht antun wollen.

Für den nächsten Tag hatten wir abends einen Campingplatz reserviert, also konnten wir uns auf der Tour Zeit lassen. Wir haben recht oft angehalten und uns auch Zeit für die einzelnen Wanderungen genommen – so ganz ohne Laufen bekommt man von den Attraktionen nur am Rande etwas mit. Wir sind durch verschiedene Geysir-Felder gelaufen, haben die Grand Prismatic Spring aus zwei Perspektiven besichtigt und am Ende beschlossen, nicht noch eine Stunde auf den Ausbruch des Old Faithful Geysirs zu warten. Wir waren einfach platt nach viel laufen und noch viel mehr tollen Eindrücken.

Die letzte Nacht im Park war dann auch eine unserer kältesten, bei +2°C sind wir nach dem Kaffee aufgebrochen. Da merkt man halt doch die Höhe von über 2.000m… Nach einem kurzen Stopp an weiteren heißen Quellen und einem Frühstück am Fluß in der Sonne haben wir uns auf den Weg gen Osten gemacht. Und sind direkt durch das Tal des Windy River gefahren, ein wunderschönes, schroffes Tal, entlang dessen sich Straße und Bahnlinie schlängeln.

Zurück in die USA bis kurz vor Yellowstone

Nach dem Ausflug an die Westküste von Vancouver Island machen wir uns so langsam Gedanken über die Rückfahrt, Anfang September wollten wir uns wieder auf den Weg nach Osten machen. Es gibt verschiedene Fähren, mit denen man auf´s Festland kommt: nach Vancouver (dann müssen wir von dort noch ein Stück nach Süden, bevor es nach Osten geht), von Victoria direkt südlich nach Port Angeles, Washington State (das würde einen Umweg um Seattle herum bedeuten) oder von Sidney aus an den Inseln vorbei nach Anacortes, das auch schon in den USA liegt. Da das den kürzesten Weg bedeutet hat und gleichzeitig die schönste Strecke war, haben wir uns dafür entschieden. Ein klein wenig Spannung war dabei – als wir uns vorab vor Ort informieren wollten, haben wir erfahren, dass die Fähre gerade außer Betrieb ist und die Coast Guard entscheidet, wann sie wieder fahren darf. Zu unserem Wunschtermin war aber wieder alles gut!

Vor der Fähre haben wir uns noch ein Wochenende im Bamberton Provincial Park gegönnt und zum Abschluss einen schönen Campingplatz mit Waschmaschine und Dusche (haben die Parks üblicherweise nicht…) im Süden der Insel.

Die Einreise in die USA war etwas langwierig, aber problemlos. Unsere Einreisestempel haben wir bereits vor Abfahrt der Fähre bekommen, der Zoll in Anacortes wollte dann nochmal alles ganz genau wissen. Die Dame vom Zoll hat uns schon mit den Worten begrüßt, dass wir ja ein Segelboot in Virginia hätten (der Informationsfluss innerhalb der Behörde funktioniert offensichtlich) und da unser Auto ja doch ein wenig voll und für ungeübte auch unübersichtlich war, mussten wir extra warten, bis sie zusammen mit einem Kollegen alles gründlich unter die Lupe genommen hat. Beide haben uns nebenbei nach unseren weiteren Plänen befragt, ob wir Alkohol mit uns führen, Drogen, sonstige Waren, Bargeld, usw.. Offensichtlich konnten wir alles zur Zufriedenheit beantworten und mit einem „Have a good trip“ und freundlichem Winken wurden wir endgültig ins Land gelassen.

Auf die Großstadt Seattle hatten wir beide keine Lust, also haben wir uns mit zwei Stopps bis kurz vor den Yellowstone Nationalpark auf den Weg gemacht. Ein Stopp war bei einem äußerst beeindruckenden Souvenirshop mit Hotel und Tankstelle. Beeindruckend deswegen, weil wir beide noch nie eine so große Ansammlung an fürchterlichen Souvenirs gesehen haben. Und offensichtlich gibt es Menschen, die das kaufen – nunja, die Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden 🙂 

Westküste Vancouver Island

Von Port Alberni sind wir dann weiter an die Westküste. Zwei Orte sind da, Ucluelet und Tofino, dazwischen liegt der Pacific Rim National Park. Die Fahrt bis an die Küste führt über eine enge, gewundene Straße, teilweise steil (18%), nah vorbei an Stellen mit gelegentlichem Steinschlag, die dennoch gut befahren ist – ist ja auch die einzige Straßenverbindung.

In Ucluelet hat uns Nebel empfangen – diesmal kein Smog, die Sicht war dadurch aber auch nicht viel besser. Nur hat es nicht nach Rauch gerochen. Trotz des Wetter wollten wir noch ein wenig was sehen, und es hat sich gelohnt! Beim Leuchtturm ist der Lighthouse Loop, ein Teil des Wild Pacific Trail, ein gut ausgebauter Rundweg entlang der Küste, mit Erklärungen zur Natur und noch einem kurzen Abschnitt, der sehr ausführlich vorkommende Pflanzen beschreibt mit ihrem Nutzen und wie sie sich in der Landschaft und den Bedingungen entwickeln.

Donnerstag früh stand der Pacific Rim National Park auf unserem Plan. Zuerst mal haben wir gleich beim spektukulär am Strand liegenden Info-Zentrum die Aussicht genossen. Eine wunderschöne Küste, zwischendurch Felsen, Nebelschwaden auf dem Meer und ein breiter, endlos scheinender Sandstrand. Herrlich! Anschließend sind wir beide Rainforest Trails gelaufen – der eine geht durch den alten Regenwald, der andere durch einen neueren Teil, der erst im letzten Jahrhundert nach Rodung für eine Radarantenne neu nachgewachsen ist. Beide Wege sind wieder mit ausführlichen Erklärungen ausgestattet, man lernt viel über die Geschichte und Entstehung der Vegetation unter den vorhandenen Bedingungen.

Nach einem kurzen Abstecher in Tofino sind wir wieder zurück gen Osten gefahren, übernachtet haben wir an einem Parkplatz an der Straße. So ganz offiziell darf man da zwar nicht über Nacht stehen bleiben, das wird dort aber selten kontrolliert. Und wir hatten so mitten in der Pampa den schönsten und beeindruckendsten Sternenhimmel seit langem genießen können (hat doch gelegentlich positive Auswirkungen, kein Klo im Fahrzeug zu haben, wenn nachts die Blase drückt…).

Moorecroft und Wasserfälle

Nachdem es immer noch sonnig blieb, sind wir Sonntag in den Moorecroft Regional Park gefahren. Der Park ist nicht sehr groß, aber man trotzdem eine wunderschöne Aussicht und kann herrlich spazieren gehen. Montag haben wir dann unseren Campingplatz verlassen (war auch mal schön und entspannend, nicht nur eine Nacht stehen zu bleiben!) und sie an der Ostküste weiter gen Norden gefahren. Ganz hoch in den Norden der Insel wollten wir nicht, das war uns dann ganz einfach zu weit. Nach leckeren Fish&Chips (frischer Lachs eignet sich da bestens) am Hafen in Campbell River sind wir direkt weiter zum Elk Falls Provincial Park und haben uns einen schönen Platz gesucht.

Wir hatten überlegt, gleich noch am selben Tag die Wasserfälle zu besuchen, dann aber einfach nur unseren mal wieder herrlichen Platz genossen. OK, einen kleinen Spaziergang haben wir noch gemacht, aber je näher das Ende unserer Kanada-Reise rückt, desto mehr wird uns bewußt, wie wunderschön die Campingplätze in den Provincial und National Parks sind. Da war kein einziger Reinfall dabei und ein paar drängeln sich um den besten Platz herum…

Der nächste Tag war dann Wasserfall-Tag: zuerst sind wir gleich um die Ecke zu den Elk-Falls, dann später auf dem Weg in Richtung Port Alberni haben wir im Little Qualicum Falls Provincial Park Mittagspause und gleich einen ausführlichen und wunderschönen Verdauungsspaziergang gemacht. Übernachtet haben wir dann in Port Alberni, das über ein Inlet direkten Zugang zum Pazifik hat.

Chemainus und Nanaimo Bars

Und es wurde sonnig! Seit gestern können wir wieder Farben sehen – was für ein Unterschied! Die Sicht wird sogar immer besser, am Festland konnten wir schon Strukturen und aus der Ferne die Fähre erkennen. Somit ist bei uns auch die Unternehmungslust wieder angestiegen. Den ersten Tag haben wir nämlich einfach „nur“ arbeitend am Campingplatz verbracht…

Gestern waren wir dann in Chemainus, einem Ort ein wenig südlich von Nanaimo. Bekannt ist Chemainus für seine Wandmalereien, die alle verschiedene – auch neuere – Szenen aus der Geschichte der Stadt darstellen. Noch dazu fanden wir den Ort einfach schön! Sehr gemütlich, beschaulich und mit teilweise richtig schönen Häusern, die in wilden Gärten stehen. Ein paar nette Läden mit Antiquitäten haben wir auch gefunden, da ist es doch ganz gut, dass wir sehr begrenzten Stauraum haben…

Auf dem Rückweg waren wir noch auf dem Night Market in Nanaimo. Gut, Nacht war es noch nicht, aber er fängt eben spätnachmittag erst an. Schön war er trotzdem, ein buntes Gemisch ganz verschiedener Stände von Kunsthandwerk über Leckereien, Schmuck und Kleidung gab es zu begutachten. Nanaimo selbst hat uns auch gefallen (wollen wir die Tage ausführlicher besuchen) und selbstverständlich mussten wir direkt vor Ort zwei der berühmten Nanaimo Bars für den zweiten Kaffee heute mitnehmen. Und keine Sorge, bevor wir in Kanada waren, hatten wir auch noch nie von den Nanaimo Bars gehört, sie sind wohl mehr eine nationale Spezialität – aber dadurch nicht minder lecker!

Vancouver

Die aktiven Feuer heute in British Columbia

Bereits im Vorfeld hört man sehr viel über Vancouver: eine tolle Stadt, wunderschön gelegen, einmalig, weil man durch die Lage an einem Tag von Segeln über Skifahren und sonstige Sportarten alles unternehmen kann. Unser erster Eindruck war Smog und viel Verkehr, den wir so nicht mehr gewohnt waren. Der Smog kam (und kommt) weniger von den Abgasen sondern mehr von weiter anhaltenden Waldbränden (hier kommt man zu einer aktuellen Übersicht der aktiven Brände), tja, und der Verkehr ist wohl leider unvermeidlich in einer Großstadt. Wir haben ja auch unseren Teil dazu beigetragen.

Campingplätze gibt es nicht so sehr viele in Vancouver, zudem sind sie teuer und ziemlich voll. Also haben wir es mal wieder mit Walmart probiert, diesmal durften wir aber nicht auf dem Parkplatz stehen bleiben sondern sind an den Straßenrand daneben gefahren. Und da waren wir nicht allein! Fast der gesamt Randstreifen war mit Campern bevölkert, mit unserem doch eher kleinen Gefährt haben wir noch gut dazwischen gepasst. Wir sind auch gleich mit Manfred ins Gespräch gekommen, er konnte uns noch den ein oder anderen Tipp geben, immerhin steht er in der Gegend wegen eines Motorschadens schon seit fast zwei Wochen. Insgesamt blieben wir zwei Nächte, dazwischen haben wir Vancouver Downtown besucht.

Die Innenstadt hat uns sehr gut gefallen! Bunte Häuser, alles mögliche gemischt, eine Vielfalt an Läden und Gallerien, wir haben eine mäßige Currywurst mit exzellenten Pommes gegessen, ein wunderschönes Café für einen Espresso gefunden und sind eine ganze Weile durch den Stanley Park geschlendert. Dort haben wir dem Hafentreiben zugesehen, in der Marina und bei der Anfahrt mal wieder Segelboote gesehen und Bäume und Rosengarten bewundert. In die Innenstadt ging es mit dem Seabus, einer schnellen und unkomplizierten Verbindung von Nord-Vancouver mit Downtown.

Inzwischen sind wir mit der Fähre auf Vancouver Island gefahren, leider immer noch im Smog – hier kann man sogar das Feuer riechen. Wir hoffen dennoch auf den ein oder anderen smogfreien Tag, bevor wir uns wieder zurück auf den Weg zu Kassiopeia machen.

Fahrt durch Smog

Inzwischen sind wir in Squamish, das liegt am Howe Sound, von hier kommt man direkt in den Pazifik. Und das ganze 9.500km seit unserer Abfahrt in Deltaville. Wir sind richtig stolz auf unser Auto, das hat ihm nicht jeder zugetraut! Leider ist die Sicht ziemlich schlecht, verschiedene Waldbrände sorgen für Smog und so können wir nicht wirklich weit sehen. Aber das Gefühl ist trotzdem großartig 🙂

Das letzte Stück Fahrt hierher war grandios, wohl mit die schönste Strecke bisher. Wir sind über kleinere Straßen gefahren, durch enge Täler, bergauf und bergab, mit sehr vielen auch sehr engen Kurven. Die Gegend ist sehr spärlich bewohnt, viele Büsche, Felsen, Bäume und natürlich auch Flüsse sind zu sehen. Wenn man sie denn sieht, vor lauter Smog… Leider haben wir teilweise nicht mal die andere Seite des Tales erkennen können, das hat den Genuss schon getrübt. Andererseits war dadurch eine ganz besondere Stimmung, manches hat richtig geisterhaft gewirkt. Stellenweise hätten wir uns nicht gewundert, wenn Winnetou um die Ecke geritten wäre.

Nachdem auch nicht absehbar war, dass die Sicht kurzfristig besser wird, haben wir uns nicht so sehr lange aufgehalten, außerdem hatten wir das erste Mal ernsthafte Schwierigkeiten, einen Übernachtungsplatz zu finden. Sehr gerne hätten wir uns für die Strecke mehr Zeit genommen! Aber nachdem wir in Lillooet in einem Laden die Auskunft bekommen haben, dass sich der Smog letztes Jahr eher Monate gehalten hat und es dieses Jahr tendenziell schlimmer aussieht, sind wir weiter.

Einen Stopp haben wir noch in Whistler gemacht, wir wollten unbedingt das dortige Audain Kunst Museum besichtigen. Was wir uns hätten sparen können… Bisher waren wir ja sehr verwöhnt von Museen in Kanada, jetzt wissen wir, welches auf unserer persönlichen Liste den letzten Platz einnimmt. Unter „Art of BC“ (Kunst aus British Columbia) hatten wir uns einfach weniger moderne Kunst vorgestellt. Whistler war auch insgesamt nicht so „unsere“ Stadt – ausschließlich auf Touristen ausgerichtet und praktisch ohne Campingmöglichkeit.

Weingegend

Nach Kaslo ging es wieder in Richtung Westen, wieder durch die Berge – die hier aber ganz anders aussehen. Es ist trockener, weniger Bäume und auf den Hügeln sieht man hauptsächlich braunes Gras oder Gestrüpp. Die Luft ist sehr dunstig, klare Sicht haben wir nicht wirklich. Das kommt, so wurde uns erzählt, von Waldbränden, die in der Gegend sind. So trocken wie alles ist, wundert uns das gar nicht. Viel geregnet hat es auch nicht in der letzten Zeit. Zudem ist es richtig heiß geworden, Höchstwert am Thermometer waren 43°C, das sind wir nach den Bergen schon gar nicht mehr gewohnt. 

Heute sind wir ein Stück durch´s Okanagan Valley gefahren und haben uns fast ein wenig wie am Gardasee gefühlt. Wir waren umgeben von Weinbergen, Obstplantagen, Verkaufsständen und ganz vielen Urlaubern. Der See ist gesäumt von Bergen, die dann aber teilweise doch anders aussehen als in Italien: teilweise schroff und deutlich trockener, auch eher bräunlich. In Penticton haben wir den samstäglichen Farmersmarkt besucht – endlich mal wieder einer, der den Namen auch verdient! Viele unterschiedliche Verkaufsstände, etliches an Obst und Gemüse, und natürlich durfte eine Weinprobe auch nicht fehlen. Noch dazu haben wir bei einem deutschen Bäcker das beste Brot seit langem gefunden. Es geht uns gut 🙂

wieder unterwegs

Heute vormittag sind wir wieder aufgebrochen. Wir hatten ein paar schöne Tage bei Isolde und Gabor, aber es gibt ja auch noch das ein oder andere zu sehen in Kanada, bevor wir wieder zurück zu Kassiopeia fahren. Einen Ausflug hatten wir die Tage gemacht, zusammen mit Gabor und dem Nachbarn Jeff sind wir zum Wilson Creek gefahren. Das ist ein Wasserfall mitten in den Bergen. Man muss ein bißchen bergauf und bergab durch den Wald laufen, dann kommt man zu einem richtigen Schmuckstück in den Bergen.

Auf unserem eigentlichen Weg nach Westen sind wir heute erstmal wieder nach Osten gefahren – Sandon und Kaslo waren das Ziel. Sandon ist eine alte Silberbergwerksstadt, die um 1900 ihre Hochzeit hatte. Durch Streiks und verschiedene Naturkatastrophen (Überschwemmung, Feuer) und natürlich auch dann irgendwann das Industriezeitalter war das Ende von Sandon bald besiegelt. Ganz im Gegensatz zu Kaslo: wunderschön am See gelegen, mit Strand und netter, historischer Bummelmeile. Leider haben wir nur für eine Nacht eine Lücke am Campingplatz gefunden, sonst hätten wir spontan noch einen Tag drangehängt.

Nationalparks zum zweiten

Von Hinton ging es zurück in Richtung Jasper, aber bevor wir auf den Icefields Parkway abgebogen sind, haben wir noch am Maligne Canyon und Maligne Lake angehalten. Der Canyon ist wunderschön, leider war er ebenso von Touristen überlaufen wie auch der Maligne Lake. Da hätten wir besser zu einer anderen Uhrzeit kommen sollen… Gelohnt haben sich die beiden Stopps dennoch! Recht traurig anzusehen, besonders in Jasper und Umgebung, ist der große Schaden, den der Bergkiefernkäfer angerichtet hat. Unheimlich viele, stellenweise bestimmt über 90% der Bäume sind rot und abgestorben. Wenn sie einmal vom Käfer befallen sind, gibt es praktisch keine Rettung mehr. Gegen den Käfer hilft z.B. Feuer, aber damit kämpfen sie hier in Kanada sowieso regelmäßig und auch aktuell.

Am nächsten Tag sind wir weiter direkt zum Campingplatz am Wilcox Creek beim Columbia Icefield gefahren, haben erstmal ausgiebig die Aussicht genossen und uns dann das Infozentrum und die noch übrige Gletscherzunge am Athabasca Gletscher. Im Infozentrum wird recht deutlich auch Folgen des Klimawandels hingewiesen. Vom Wasser des Columbia Eisfeld sind große Teile Kanadas abhängig, wenn es mal weg ist, wird das zum großen Problem. Und es schmilzt immer schneller.

Weiter ging es nochmal etwas ausführlicher zum Bow Lake, da sind wir auf dem Weg nach Norden recht flott dran vorbei gefahren. Ein paar andere Stellen hatten wir uns auch erst für den Rückweg aufgehoben, wie z.B. den Peyto Lake. Den nächsten Tag sind wir etwas früher aufgestanden. Wird wollten nach Lake Louise, dort wird in der Hauptsaison bereits ab 6 Uhr früh der Verkehr kontrolliert, das heißt, es ist von Touristen überlaufen. Und es hat sich gelohnt, um 5 Uhr aufzustehen! Der Blick, wenn die Sonne so langsam um die Berge kommt, ist wunderschön!

Nächste Station war der Glacier Nationalpark. Dort haben wir viel über die Geschichte der Zugverbindung über die Berge gelernt. Den Bewohnern von British Columbia wurde einmal versprochen, innerhalb von 10 Jahren eine Bahnstrecke von West nach Ost zu bekommen, dies war mitentscheidend für den Beitritt zu Kanada. Das Versprechen wurde nicht ganz eingehalten, aber irgendwann war die Strecke dann doch fertig. In der Nähe unseres Campingplatzes waren noch die Überreste einen Hotels zu sehen, das an der Strecke gebaut war. Durch Lawinenabgänge (eine hat 58 Arbeiter das Leben gekostet) wurde die Canadian Railway Pacific gezwungen, mehr Tunnels zu bauen, die auch immer noch in Betrieb sind. Einen Zug haben wir beobachtet, der war mit gesamt zwei Zugmaschinen und 138 Waggons unterwegs.

Inzwischen sind wir bei Freunden in British Columbia, in der Nähe von Nakusp, helfen ein wenig beim Hausbau und arbeiten liegengebliebenes auf. Mal sehen, wann es uns weiterzieht 😉

Besuch bei Freunden in Hinton

Wir hatten ja das große Glück, auf unserer Paddeltour entlang des Red Deer River Freunde gefunden zu haben, also haben wir sie gleich zuhause in Hinton besucht. Zwei Nächte waren wir bei Illo und Rick, sie waren grandiose Gastgeber! Sie haben uns viel von der Umgebung gezeigt, wo sie im Bergbau gearbeitet haben, wir sind nach Cadomin gefahren, einen kleinen Weiler im Nirgendwo, haben Rehe gesehen, einen Silberfuchs und aus der Ferne einen Schafbock. Wir waren in den Hotsprings, haben auf dem Weg dahin unsere ersten Bären gesehen (Schwarzbären, eine Mama mit Nachwuchs) und sind im William A. Switzer Provincial Park ein Stück durch den Wald gelaufen. Nebenbei gab es leckeres Essen und ein Wiedersehen mit weiteren Freunden – Danke euch allen für die schöne Zeit!

Morgen geht es zurück in Richtung Süden, ein paar Stellen des Icefields Parkway haben wir uns für den Rückweg aufgehoben.

Rocky Mountains zum ersten

Wir hatten es Freitag tatsächlich geschafft und sind halbwegs früh aufgebrochen. Da war wohl einfach die Vorfreude zu groß zum Verschlafen 🙂 Und das war gut so! Die letzten Tage sind wir über Banff (Stadt und Nationalpark), Icefields Parkway und Jasper (auch Stadt und Nationalpark) in Richtung Norden gefahren. Wir haben inzwischen unsere warmen Jacken aus den Tiefen des Autos gekramt – Sommer in den Rocky Mountains heißt tagsüber bei Sonne knapp über 20°C, nachts um die 5°C, es kann durchaus auch mal schneien. 

Übernachtet haben wir auf Zeltplätzen in den Nationalparks. Die meisten dort sind „unserviced“, d.h. es gibt ein Plumpsklo, Trinkwasser und Feuerholz, Anmeldung und Zahlen funktioniert per Briefumschlag. Und wer zuerst da ist, bekommt einen Platz. Jetzt in der Hochsaison sollte man somit nicht allzuspät seinen Schlafplatz wählen, mit unserem doch relativ kleinen Reisemobil hatten wir aber immer Glück. Die Plätze sind ausnahmslos wunderschön gelegen – was aber wohl auch an der herrlichen Gegend liegt! Eine Nacht waren wir im sogenannten Overflow-Bereich, da kommen die hin, die keine Parzelle mehr bekommen haben. Neben uns haben Radler gezeltet, die so richtig interessante Geschichten hatten. Der eine war auf dem Weg von Alaska nach Bolivien, ein anderer nach Florida und einer will innerhalb von 90 Tagen vom Nord- zum Südzipfel des ganzen Kontinents radeln (den haben wir leider nicht kennengelernt). Beeindruckend, welche Strecken die Jungs und Mädels zurücklegen, und das alles mit reiner Muskelkraft.

Die Stadt Banff hat uns nicht so vom Hocker gehauen, das war uns einfach zu voll und touristisch. Also haben wir nur ein paar Infos über den Park eingesammelt. Weiter nördlich sind wir an Lake Louise vorbei gefahren – das ist so überlaufen, dass man schon SEHR früh da sein muss. Wir haben immer wieder angehalten um die Aussicht zu genießen – und es wurde schöner und schöner! Der Icefields Parkway fängt nördlich von Lake Louise an und führt an verschiedenen Gletschern vorbei, Highlight ist dabei sicherlich das Columbia Icefield. Aus dem Gletscher werden verschiedene Seen und Flüsse gespeist, das Wasser fließt in drei Ozeane ab – Pazifik, Atlantik und Arktisches Meer. Die letzten 175 Jahre ist es schon deutlich geschmolzen, die Zunge des Athabasca-Gletscher war damals noch gut 2km länger und würde bis über die heutige Straße gehen. Vom Icefield Infocenter aus haben wir uns einen Besuch des Skywalk gegönnt. Die Aussicht ist beeindruckend (besonders in eine Richtung), die Konstruktion auch (da kam meine berufliche Vergangenheit nochmal durch ;-))! Um das zu genießen musste ich meine Höhenangst überwinden, aber es hat sich gelohnt!

Einen kurzen Abstecher abseits der Nationalparks noch vor dem Columbia Icefield haben wir zu den Siffleur Falls gemacht. Es war eine kleine Wanderung von insgesamt 8km, die den Umweg absolut wert war! Die Schlucht, durch die das Wasser rauscht ist beeindruckend und man kann direkt am Wasserfall die Gewalt des Wassers regelrecht spüren. Kurz bevor wir vorübergehend vom Parkway abgebogen sind, waren wir noch beim Saskatchewan Crossing, ein früherer Handelspunkt, weil man dort die Flüsse leicht überqueren konnte. Die Aussicht ist atemberaubend schön!

Alle Aussichtspunkte kann ich hier gar nicht mehr auflisten, aber die Bilder sprechen ja für sich. Wir sind beide sehr begeistert, der Icefields Parkway zählt nicht ohne Grund zu den schönsten Straßen der Welt. Morgen besuchen wir Kanu-Freunde in Hinton, dann geht es zur zweiten Runde Rocky Mountains – der Plan ist, einen Teil der Strecke einfach nochmal, diesmal in die andere Richtung, zu fahren. Wir können uns nicht vorstellen, dass das langweilig wird!

Paddeln auf dem Red Deer River

Die letzten Tage hatten wir die wunderbare Gelegenheit, etwas umzusetzen, was wir in Kanada unbedingt machen wollten – paddeln. Den Grundstein dazu haben wir bereits im Rushing River Provincial Park gelegt – wir hatten den Platz gegenüber von Rick und seiner Frau Ilo. Rick ist ein sehr geselliger Mensch, wir haben uns gut unterhalten und er hat uns spontan zu einem Kanutrip eingeladen. Dieser hat die letzten Tage stattgefunden, wir sind von knapp hinter Red Deer nach kurz vor Drumheller gepaddelt, insgesamt waren es um die 140km in vier Paddeltagen.

Dienstag spätnachmittag haben sich auf einem Campingplatz Nahe Red Deer alle getroffen, insgesamt waren wir 16 Personen, davon drei Kinder. Wir kannten nur Ilo und Rick, waren jedoch nicht die einzigen „neuen“ in der Runde. Es wurde der erste von vier schönen, geselligen Abenden. Alle hatten so ihre Erfahrungen auf dem Wasser, wir als einzige im Segelboot und ohne Paddel, alle anderen im Kanu oder Kajak, das gehört hier in der Gegend einfach dazu.

Mittwoch früh ging es los, wir haben uns auf zwei Kanus verteilt, es gab kurze Einweisungen und dann paddelten wir schon. Anfangs war noch richtig viel Konzentration nötig: wie man das Paddel hält, in welchem Winkel es durch´s Wasser zu ziehen ist (parallel zum Kiel), dass man auf seiner Seite sitzen bleibt, wie alle gleichzeitig die Seite wechseln (ohne dabei das ziemlich wacklige Gefährt aus dem Gleichgewicht zu bringen) und auch noch möglichst im gleichen Rhythmus zu paddeln. Und das hat alles ganz gut geklappt! Irgendwann konnten wir dann sogar die Landschaft genießen und zwischendurch das ein oder andere Tier (Rehe, Seeadler, Wasserschlangen, Enten, Wildgänse, …) beobachten. 

Ich bin ein wenig weniger mitgefahren, mir haben Schulterprobleme am ersten Tag einen Strich durch die Rechnung gemacht (aber irgendjemand muss ja auch die Autos von A nach B bringen), Michl ist fast die komplette Strecke gepaddelt. Inklusive einmal umkippen und Baden gehen – zum Hergang gibt es verschiedene Geschichten der Kanuinsassen (eine handelte von einem Handstand, eine andere von einer durch einen Sprung geretteten Mütze – eine davon stimmt ;-)). Alle hatten viel Spaß, der Muskelkater hielt sich überraschenderweise in Grenzen (anscheinend haben wir das mit der Technik nicht so ganz falsch gemacht) und wir sind sehr froh, dass wir mitfahren konnten!

Zum Abschluss gab es gestern Abend bei Deepu und Alok ein fantastisches original indisches Essen – Danke für Eure Gastfreundschaft! Und Danke an alle Mitpaddler, wir hatten viel Spaß und tolle Erlebnisse, besonders schön ist, dass wir neue Freundschaften schließen konnten!

Kanada hat Geburtstag

Und das ist ein Grund zum Feiern! Am 1. Juli vor 151 Jahren wurde Kanada unabhängig und das wird selbstverständlich gefeiert. Die meisten sind rot/weiß gekleidet, sehr viele haben irgendwo ein Ahornblatt – auf der Backe, dem T-Shirt,  Picknickstuhl oder einer irgendwo befestigten Flagge. Wir haben vom Campingplatz aus einen kleinen Spaziergang gemacht, im Bower Ponds Park war ein wenig Programm angekündigt. Der Spaziergang am Fluß entlang war schön, im Park war dann ordentlich Programm geboten. Auf der Bühne haben sich die Künstler abgewechselt, es gab Essensstände und noch verschiedene Aktivitäten auf dem Wasser. Alles war sehr international, das passt auch ins Bild, das wir bisher von den Kanadiern haben: die meisten sind sehr stolz auf ein gutes Miteinander unterschiedlicher Nationen und Kulturen im Land. Uns gefällt das!