Rückweg, Einleben und Florence

Mittagspause in Ogallala

Leider hatten wir es die letzten Tage nicht wirklich geschafft, ausführlich zu schreiben. Zuerst mal stand der Rückweg zu Kassiopeia an. Tatsächlich wollten wir uns zwar nicht so sehr viel Zeit lassen, gar so hetzen war allerdings auch nicht geplant. Immerhin ein wenig über 1.900 Meilen, etwa 3.060km, in insgesamt drei Tagen. Auf mehr und weniger guten Straßen und mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 130km/h, meist 110km/h. Bei Überschreitung wird man auch gerne mal weiter ausgebremst, in unserem Fall von der Nebraska State Police – 2 Meilen vor dem Tagesziel.

Straßenkreuzung irgendwo unterwegs

Wir wurden freundlich aber sehr bestimmt auf die Höchstgeschwindigkeit hingewiesen, nach Alkohol im Fahrzeug (darf man haben, darf nur nicht während der Fahrt erreichbar sein) und Waffen gefragt (haben wir nicht, naja, vom Küchenmesser abgesehen). Nach einer gründlichen Kontrolle der Papiere (ein deutscher Führerschein reicht übrigens aus) und einer schriftlichen, aber kostenlosen Verwarnung durften wir weiter fahren. Auf der restlichen Strecke haben wir keine Verwarnung mehr riskiert…

Wir sind nach dem Yellowstone NP durch insgesamt acht Bundesstaaten gefahren und haben dabei ganz unterschiedliche Landschaften gesehen. Highlight war definitiv Wyoming. Für uns beide zuvor noch ein völlig unbeschriebenes Blatt hat es uns mit Canyons, Stauseen und weiter Hügellandschaft überrascht. Nebraska liegt aus unserer Sicht dagegen eher am anderen Ende der Skala (was nicht an der Verkehrskontrolle lag).

Kansas City

Mittwoch spätnachmittag kamen wir hier an und haben direkt losgelegt, Kassiopeia so gut wie möglich auf schlechtes Wetter vorzubereiten. So sehr viel war zwar nicht mehr zu tun, das Wichtigste hatten wir vor Abfahrt im Mai schon gemacht, aber es gibt doch ein gutes Gefühl, nochmal alles zu kontrollieren. Den Wassertank haben wir ein wenig gefüllt und die ersten Sachen aus dem Auto geräumt. Wäsche waschen war auch mal wieder angesagt, eben so ganz normale Sachen, wenn man nach längerer Abwesenheit wieder heimkommt 🙂

ein klein wenig Hochwasser hatten wir

Florence hat sich aus unserer Sicht immer weiter entspannt, selbst vom vorhergesagten Sturzregen ist bis jetzt nicht viel angekommen. Gut für uns, schlecht für andere, die dafür mehr abbekommen haben… 

Wir haben uns schon wieder eingelebt, der erste Grillabend mit anderen Seglern liegt hinter uns und so langsam kommen wir auch mit den unterwegs nicht mehr geschafften Artikeln mit Bildern hinterher. Allein im Yellowstone NP hatten wir über 400 Bilder mit einer der Kameras gemacht…

Übrigens haben wir Artikel nachgeliefert, wir haben sie zu den passenden Terminen eingestellt – bei Interesse einfach mal nachschaun, was noch unbekannt ist (Moorecroft und Wasserfälle, Westküste Vancouver Island, Zurück in die USA bis kurz vor Yellowstone und Yellowstone Nationalpark).

Gut angekommen

Nochmal nur ganz kurz, die nächsten Artikel werden wieder länger!

Wir sind gestern am späten Nachmittag gut in Deltaville bei Kassiopeia angekommen. Und nein, wir sind nicht sehenden Auges in den Hurrikan gefahren, Deltaville lag schon die ganze Zeit nicht im Zentrum der vorausgesagten Zugbahn, sondern am Rand. Aus unserer Sicht wurde die Vorhersage immer besser, aktuell sollten wir zwei, drei windigere Tage mit viel Regen vor uns haben. Unser Plan war, möglichst vor Florence an den demnächst vermutlich überschwemmten Gebieten vorbei zu kommen.

Bei Kassiopeia ist soweit alles OK, wir haben sie heute sturmfest gemacht und harren der Dinge, die da kommen.

Yellowstone Nationalpark

Da der Yellowstone Nationalpark (hier die offizielle Seite) auf dem Weg nach Osten so gut wie auf dem Weg liegt, war es für uns keine Frage, da noch einen Zwischenstopp einzulegen. Wir hatten uns eine Route durch den Park überlegt, so dass wir an den für uns interessantesten Punkten vorbei kommen. Eigentlich war das auch die einzig logische Route, wenn man im Norden einfährt und dann nach Osten will, also den Ost-Ausgang nimmt. Und es war eine sehr schöne!

Am Ankunftstag wurden wir schon während der Anfahrt belohnt. Durch wunderschöne, weite Täler geht die Strasse, gesäumt von leicht ansteigenden Hügeln, spätestens hier sind wir im weitern, wilden Westen der USA angekommen. Auf Empfehlung der Info am Eingang sind wir direkt zum Campingplatz gefahren, der Plätze nach dem Windhundprinzip („first-come, first-served“) vergeben werden (wie übrigens bei den meisten Plätzen in den kanadischen Parks). Nachdem wir unseren Platz gesichert haben, sind wir noch zu den Mamoth Hot Springs gleich im Norden des Parks gefahren. Und waren direkt mittendrin im leichten „Duft“ nach faulen Eiern, der uns den ganzen Park über begleiten sollte.

Im ganzen Park gibt es immer Stellen, an denen Rauch aus dem Boden aufsteigt, mehr oder weniger große weiße Flächen, und das ganze zwischen Wiesen, Flußläufen, Wäldern und Schluchten. Beeindruckend schön! Leider gibt es im Park, trotz der Nachsaison (der Herbst ist schon deutlich zu spüren und nicht mehr alle Campingplätze haben geöffnet), unglaublich viele Menschen. Dass wir allein unterwegs sind, hatten wir nicht erwartet, aber zur Hochsaison würden wir uns das nicht antun wollen.

Für den nächsten Tag hatten wir abends einen Campingplatz reserviert, also konnten wir uns auf der Tour Zeit lassen. Wir haben recht oft angehalten und uns auch Zeit für die einzelnen Wanderungen genommen – so ganz ohne Laufen bekommt man von den Attraktionen nur am Rande etwas mit. Wir sind durch verschiedene Geysir-Felder gelaufen, haben die Grand Prismatic Spring aus zwei Perspektiven besichtigt und am Ende beschlossen, nicht noch eine Stunde auf den Ausbruch des Old Faithful Geysirs zu warten. Wir waren einfach platt nach viel laufen und noch viel mehr tollen Eindrücken.

Die letzte Nacht im Park war dann auch eine unserer kältesten, bei +2°C sind wir nach dem Kaffee aufgebrochen. Da merkt man halt doch die Höhe von über 2.000m… Nach einem kurzen Stopp an weiteren heißen Quellen und einem Frühstück am Fluß in der Sonne haben wir uns auf den Weg gen Osten gemacht. Und sind direkt durch das Tal des Windy River gefahren, ein wunderschönes, schroffes Tal, entlang dessen sich Straße und Bahnlinie schlängeln.

Zurück in die USA bis kurz vor Yellowstone

Nach dem Ausflug an die Westküste von Vancouver Island machen wir uns so langsam Gedanken über die Rückfahrt, Anfang September wollten wir uns wieder auf den Weg nach Osten machen. Es gibt verschiedene Fähren, mit denen man auf´s Festland kommt: nach Vancouver (dann müssen wir von dort noch ein Stück nach Süden, bevor es nach Osten geht), von Victoria direkt südlich nach Port Angeles, Washington State (das würde einen Umweg um Seattle herum bedeuten) oder von Sidney aus an den Inseln vorbei nach Anacortes, das auch schon in den USA liegt. Da das den kürzesten Weg bedeutet hat und gleichzeitig die schönste Strecke war, haben wir uns dafür entschieden. Ein klein wenig Spannung war dabei – als wir uns vorab vor Ort informieren wollten, haben wir erfahren, dass die Fähre gerade außer Betrieb ist und die Coast Guard entscheidet, wann sie wieder fahren darf. Zu unserem Wunschtermin war aber wieder alles gut!

Vor der Fähre haben wir uns noch ein Wochenende im Bamberton Provincial Park gegönnt und zum Abschluss einen schönen Campingplatz mit Waschmaschine und Dusche (haben die Parks üblicherweise nicht…) im Süden der Insel.

Die Einreise in die USA war etwas langwierig, aber problemlos. Unsere Einreisestempel haben wir bereits vor Abfahrt der Fähre bekommen, der Zoll in Anacortes wollte dann nochmal alles ganz genau wissen. Die Dame vom Zoll hat uns schon mit den Worten begrüßt, dass wir ja ein Segelboot in Virginia hätten (der Informationsfluss innerhalb der Behörde funktioniert offensichtlich) und da unser Auto ja doch ein wenig voll und für ungeübte auch unübersichtlich war, mussten wir extra warten, bis sie zusammen mit einem Kollegen alles gründlich unter die Lupe genommen hat. Beide haben uns nebenbei nach unseren weiteren Plänen befragt, ob wir Alkohol mit uns führen, Drogen, sonstige Waren, Bargeld, usw.. Offensichtlich konnten wir alles zur Zufriedenheit beantworten und mit einem „Have a good trip“ und freundlichem Winken wurden wir endgültig ins Land gelassen.

Auf die Großstadt Seattle hatten wir beide keine Lust, also haben wir uns mit zwei Stopps bis kurz vor den Yellowstone Nationalpark auf den Weg gemacht. Ein Stopp war bei einem äußerst beeindruckenden Souvenirshop mit Hotel und Tankstelle. Beeindruckend deswegen, weil wir beide noch nie eine so große Ansammlung an fürchterlichen Souvenirs gesehen haben. Und offensichtlich gibt es Menschen, die das kaufen – nunja, die Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden 🙂 

weiter nach Norden

Gestern und heute ging es ziemlich genau gen Norden weiter. Obwohl – in New York City hatten wir noch eine leichte Irrfahrt, die auch ein wenig Zeit gekostet hat, aber irgendwann waren wir dann aus dem ganzen Verkehrsgewühl raus. Und es wurde grüner und grüner. Wunderschön! Wir hatten wohl auch beide eine leichte Überdosis an Menschentrubel und Verkehr zu verdauen…

Zwei Stopps machten wir gestern: in der Berkshire Mountain Bakery (wir hatten in einer Kochsendung gesehen, dass sie anscheinend richtig gutes Brot backen und es lag eh in etwa auf unserem Weg – den Stopp war es definitiv wert!) und bei zwei überdachten Brücken in der Nähe von Bennington in Vermont. Die waren hübsch, aber nicht sooo der Brüller (lagen aber auch auf dem Weg). Übernachtet haben wir mitten im Wald, dem Emerald Lake State Park. Endlich im Grünen! Ein sehr schöner Stopp, aber wir wollten ja heute noch nach Kanada, also haben wir uns nicht zu spät auf den Weg gemacht. Wir sind weiter auf der Landstraße gen Norden (das Thema mit dem Erhalt von Straßen sollten sich alle Zuständigen für unsere gefahrenen Strecken ab New York City nochmal im Lehrbuch genauer ansehen…) und nach einer kurzen Mittagspause am Lake Champlain nach Kanada eingereist. Kurz nach der Grenze, noch vor Montréal, sind wir auf einen Campingplatz, von dort aus planen wir für morgen einen Trip in die Stadt. Gedanklich werde ich bis dahin mein Französisch wieder auspacken, wir sind im französischsprachigen Teil Kanadas…

zweimal Manhattan

Wir hatten uns die Tage perfekt eingeteilt, das Wetter hat genau so mitgespielt, wie wir es gebraucht haben. Gestern sind wir High Line Park entlang gelaufen. Es ist eine alte Bahntrasse, die über den Straßen Manhattans verläuft und inzwischen wunderschön begrünt ist. Man kann entlang des Weges viel Zeit verbringen, sich immer wieder mal hinsetzen, den Ausblick auf die Straßenschluchten von ein wenig weiter oben genießen und muss dabei weder auf Ampeln noch auf Autos aufpassen. War ein sehr schöner Spaziergang! Anschließend sind wir durch Chelsea Market geschlendert – hauptsächlich gibt es bunt gemischte Essensstände oder kleinere Lokale für Snacks und ein ganz buntes Treiben. Wir haben uns eine (taiwanesische? koreanische? auf jeden Fall asiatische) Suppe gegönnt, die durchaus an die im Markt in Saint-Laurent-du-Maroni rankam! Zumindest geschmacklich, preislich lag ein Eck dazwischen… Zum Abschluss des Tages sind wir noch kurz zum Central Park gefahren, wir wollten ein paar Sonnenstrahlen einfangen.

Heute hatten wir nicht so viel Programm geplant, das Wetter war auch sehr unfreundlich: Nebel (der sich nicht wie gestern aufgelöst hat), Nieselregen und ein Stück kühler. Hauptpunkt heute: das National Museum of the American Indian. Es ist ein Smithsonian, was für Qualität spricht. Außerdem kosten die Smithsonian-Museen keinen Eintritt, kann man also nicht viel falsch machen. Und wir fanden es richtig gut! Das zum gleichen Thema in Washington DC hatten wir ja schon gesehen (sehr empfehlenswert!), das hier in Manhattan ist eine gute Ergänzung dazu. Es gibt hauptsächlich Exponate aus ganz Amerika, also vom kompletten Kontinent, die zeigen, welch unterschiedliches und beeindruckendes Kunsthandwerk gefertigt wurde.

Von Wolkenkratzern mit viel Verkehr drumherum haben wir erstmal genug. Morgen geht es dann also weiter, wir wissen noch nicht, wo wir landen. Wie es die nächste Zeit mit Berichten und insbesondere Bildern dazu klappt, wissen wir auch noch nicht. Wenn wir keinen Übernachtungsplatz mit Strom haben, können wir die Computer nur unterwegs laden und da werden wir sehen, wie weit die Akkus reichen. Wir sind auch darauf gespannt!

Unterwegs

Gestern haben wir wie geplant den Absprung geschafft, heute sind wir schon auf Long Island. Wir hatten uns für die Route entlang der Küste entschieden, es ging also erstmal gen Süden und dann ab dem Chesapeake-Bay-Bridge-Tunnel nach Norden. Gefahren sind wir bis Lewes in Delaware, haben dort nach der ersten Nacht im Auto (man liegt echt bequem) die Fähre nach Cape May genommen. Von dort sind wir, teilweise über Nebenstraßen und auch ein Stück Küstenstrasse mit Kurzausflug an den Strand bis New York weiter. Die Fahrt war angenehm – bis wir über die Verrazano-Brücke kamen. Ab da haben wir für die letzten 19 Meilen noch ganze 3 Stunden gebraucht. Es ist uns völlig unverständlich, wie sich jemand so einen Verkehr jeden Tag antun kann…

Die Route war schön, die Gegend entlang der Küste hatten wir noch nicht gesehen! Und morgen geht´s nach Manhattan – aber nicht mit dem Auto!

Natur pur

Wir stehen mit dem Heck in Richtung eines Streifens Wald. Direkt dahinter sieht man den Creek durchschimmern, aber das Grüne dazwischen platzt vor Leben. Wir können am Heck sitzend einem bunten Treiben zusehen: Krähen, Kardinäle, Grauhörnchen, Libellen und noch allerlei mehr. Die Grauhörnchen stehen dabei natürlich unter besonderer Beobachtung (das von letzter Woche haben wir inzwischen gefangen und weit, weit weg wieder ausgesetzt), es hat sich aber keines mehr Kassiopeia genähert. Und wir hoffen, dass sie sich auch weiterhin von ihr fernhalten!

Und da wir ja auch schon eine Weile hier sind, sammeln sich mit der Zeit Bilder, die wir bisher nicht in Artikeln untergebracht haben. Wie zum Beispiel die, die wir von etlichen Häusern hier in der Umgebung gemacht haben. Deltaville ist im Prinzip ein kleines Dorf am Ende der Welt und hat mit Hurd`s auch sowas wie einen Ortskern – die Häuser sind aber alle weit verteilt. Die Häuser und Grundstücke sind mehr oder weniger verfallen, manche auch sehr schön gepflegt.

Inzwischen haben wir unser Auto fast komplett bestückt, der Stauraum unter dem Bett ist Gold wert! Wir haben (vermutlich) alles dabei, was wir so brauchen, auch die Verpflegung zwischendurch ist gesichert. Und für alles andere gibt es sicherlich auch in Kanada Geschäfte, in denen man einkaufen kann.

Fertig!

Kassiopeias neuer Anstrich war ja schon vor ein paar Tagen fertig, die Feinheiten haben noch gefehlt. Den Schriftzug haben wir in Kilmarnock machen lassen, aufgeklebt war er schnell. Den Marlin haben wir letztes Jahr schon aus Deutschland mitgebracht, da wollten wir wieder die gleiche gute Qualität haben wie beim letzten (Danke, Herr Göbel!). Und heute war der Bugspriet dran. Ein paar Karambolagen hat er ja schon mitgemacht, insgesamt hat er die aber beeindruckend gut überstanden. Neue Schrauben waren fällig, und ein wenig Kraftaufwand und jetzt ist er grader montiert als zuvor. Wir sind noch am Überlegen, ob wir den blauen Streifen über der Wasserlinie wieder anbringen, das entscheiden wir diese Woche. Kommt auch aufs Wetter an.

Die letzten Tage hat es fast durchgehend geregnet, da wäre nicht dran zu denken gewesen. Unterdessen haben wir schon teilweise das Auto eingeräumt und die ersten Sachen für unterwegs drin verstaut. Bevor es gen Norden geht, sind aber noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Wie z.B. mal wieder die Jagd auf Squirrel… Diesmal treiben sich gleich zwei auf dem Dach hinter Kassiopeia rum, auf dem Boot waren sie unseres Wissens noch nicht. Die beiden sind allerdings bisher so schnell, dass sie es noch schaffen, vor dem Zuschnappen aus der Falle zu flüchten. 

Autopflege

Neben Kassiopeias Anstrich beschäftigt uns zur Zeit auch unser Auto ein wenig. Schon als wir es gekauft hatten, war die Fahrertür verrostet. Wir haben lange überlegt, ob wir sie wieder herrichten, man würde es wohl immer sehen, dass es nicht die originale Farbe ist. Inzwischen kamen wir zu dem Schluss, dass das jedoch das kleinere Übel ist, wenn wir irgendwann mal das Auto wieder verkaufen. Der Rost wurde doch nicht weniger… Also wurde neben Kassiopeia auch immer wieder mal am Auto geschliffen, gespachtelt, grundiert, lackiert und am Ende noch eine Schicht Glanzlack aufgetragen. Hat sich gelohnt!

Letzte Woche schon haben wir die hinteren Sitze ausgebaut, hier im Yard eingelagert und uns ernsthaft Gedanken zum Thema Bettkonstruktion gemacht. Einer der Gründe, weshalb wir einen Van gekauft hatten, war, dass wir da auch drin schlafen können. Einmal haben wir das schon ausprobiert, und gemütlich ist eindeutig was anderes… Und da wir auch ein wenig Gepäck mitnehmen müssen, haben wir ein Gestell gebaut, auf das unsere Matratzen aus der Heckkabine passen und unter dem wir Stauraum haben. Luft nach oben ist immer noch genug. Wir sind auf die erste Nacht gespannt!

Tja, und dann waren wir beim „TÜV“ (hier: Safety Inspection – Sicherheitsinspektion). Trotz eines SEHR deutlich abgefahrenen Hinterrades hat Klara ohne Mängel („man sieht ja noch keine Fäden aus dem Reifen schaun“) und Auflagen ein neues Bläbberle bekommen. Neue Hinterreifen haben wir dennoch gekauft und aufziehen lassen, auch beim Getriebeöl war mal ein Wechsel fällig. Tja, und beim Reifenwechsel ist aufgefallen, dass der Bremszylinder auf einer Seite nicht mehr dicht ist. Das könnte irgendwann mal blöde enden, also haben wir den noch beidseitig austauschen lassen. Ist zwar ein wenig ärgerlich, weil der ganze Spaß mal schnell in Summe knapp $600 gekostet hat, aber dafür haben wir bisher praktisch nichts in Wartung investieren müssen. War also immer noch ein guter Kauf!

Die nächsten Tage müssen wir Kassiopeias Bauch vervollständigen (der Marlin fehlt noch) und so langsam unsere Sachen für die Landreise zusammensuchen. Und nebenbei so Kleinigkeiten erledigen, wie Verstpfungen in Lenzrohren beheben (das erfordert ein komplettes Ausräumen der großen Backskiste), Vorräte sichten, Entstauben der Bugkabine (hinter der abzuschraubenden Verkleidung), usw.. Da findet sich bestimmt noch das ein oder andere „Vergnügen“.

jetzt sind wir polizeibekannt

Aber nur als Zeugen!

Aufgebot

Und das kam so: wir wollten nur mal schnell zu Hurd´s, einen Pinsel und Lack kaufen. Weit waren wir noch nicht gekommen, wurde Michl plötzlich langsamer und es hat einen Schlag getan. Aus einer Seitenstraße kam einer, der offensichtlich weder das Stoppschild noch den von links kommenden Pickup beachtet hat. Mit Wucht hat er den Anhänger des Pickups erwischt und auf die andere Straßenseite geschleudert, wir waren nur Zuschauer, weil wir noch weit genug entfernt waren. Verletzt wurde glücklicherweise niemand!

State Police

Weiter fahren wollten wir nicht direkt, wir waren die einzigen Zeugen. So richtig nötig waren wir aber anscheinend nicht, der Unfallverursacher hat komplett alles zugegeben. Da hätte er sich allerdings auch nur schwer rausreden können… Interessant für uns war es trotzdem und eine Aussage haben wir abgegeben. Es wurde alles aufgefahren, was Ort und Umgebung hergeben: Feuerwehr, Krankenwagen, Sheriff und State Police. 

das Auto des Unfallverursachers

Vorbeifahrende Auto haben immer wieder angehalten und die Beteiligten gefragt, ob alles in Ordnung ist – man kennt sich halt in Deltaville. Wer nicht da war, war die örtliche Presse 😉 

Beeindruckt hat uns der Schaden am Auto des Unfallverursachers, der war immens, obwohl er nicht viel schneller als vielleicht 20km/h war. Vielleicht lag es auch an der Wucht des anderen, er ist ihm ein wenig entgegen in den Anhänger gefahren. Auf jeden Fall standen seine Vorderräder in leicht unterschiedlichen Richtungen, den Anhänger hat es ein wenig verzogen…

So wurde dann aus „mal schnell“ ein zweieinhalbstündiger Ausflug und wir sind um eine Erfahrung reicher.

Neuseeländischer Erdofen

Wir hätten ja nicht gedacht, gerade hier in den USA in den Genuss einer neuseeländischen Spezialität zu kommen. Dennoch: gestern gab es Hāngi. Rick, der Chef hier von Yard, hat uns Freitag nachmittag für Sonntag in die Fishing Bay Marina eingeladen (die und der Yard daneben werden von jeweils einem seiner Brüder geleitet). Ein Loch wurde schon vor ein paar Tagen gebuddelt und während der Woche wurden die Essenskörbe geschweißt. und von irgendwo Eisenbahnschienen angeschleppt, auf die passende Länge geschnitten und vormittags schon in die Glut gelegt.

Dazu wurde eine Menge an Essen angeschleppt: eine frisch geschlachtete Gans, zwei Enten, Lamm und Schweinefleisch, Kartoffeln, Kürbis, Knoblauch, Zwiebeln, Weißkohl – alles ist am Ende im Erdloch gelandet. Fünf Stunden später wurde wieder alles ausgebuddelt und zum Verzehr freigegeben. Und es waren zwar etliche Leute da, aber es war auch völlig hoffnungslos, dass die Anwesenden die Fülle an Essen vertilgen konnten. Es war extrem lecker, alles hatte einen rauchigen, ein wenig erdigen Geschmack, aber einfach zuviel.

Der Anlass für die Veranstaltung war ein sehr netter: zum einen kocht Rick gerne, insbesondere wenn er dabei was ausprobieren kann. Und zum anderen ist gerade eine junge neuseeländische Crew hier, die morgen abreist, und so hat Rick die Gelegenheit wahrgenommen, den drei Jungs einen einmaligen Abschied zu bereiten. Und wir hatten auch noch was davon 🙂

Colonial Williamsburg

Rund um Williamsburg hatten wir gestern ein paar Sachen zu erledigen, das haben wir gleich mit einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt von Williamsburg verbunden. Diese steht unter Denkmalschutz und ist eine lebende Altstadt. Die Häuser sind teilweise bewohnt, teilweise sind sie auch begehbar und man findet Werkstätten darin (dann muss man allerdings Eintritt bezahlen, der uns mit $41 zu teuer war) und durch die Straßen flanieren Menschen in Kleidung aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. Selbstverständlich gibt es auch Läden und Restaurants, in denen man ohne Eintrittskarte sein Geld lassen kann 😉 Falls wir nochmal in der Gegend sind, werden wir uns da sicher nochmal umsehen!

Zu erledigen hatten wir eine Mitgliedschaft bei AAA, dem Pendant des ADAC. Wir wollen ja im Sommer nach Kanada und da unser Auto nicht das allerneueste ist und manche Strecken da doch ein wenig länger sind, wollten wir für den Fall der Fälle vorsorgen. Bei der Gelegenheit haben wir uns gleich mit Kartenmaterial eingedeckt! Dann gab es für mich neue Wanderschuhe, die vor vier Jahren in Brasilien gekauften haben leider so gar keinen Halt auf glattem und auch nicht so glattem Untergrund mehr gegeben… Die Vorfreude auf den Sommer steigt 🙂

Fast wie neu

Wir hatten tatsächlich so richtig Glück mit dem Wetter: seit Montag wurde es kontinuierlich immer ein wenig wärmer, viel Sonne, wenig Wind und die Pollen waren deutlich reduziert. Wir haben uns für jeden Tag eine Schicht Lack vorgenommen, diese aber erst nach Betriebsschluss am Yard aufgebracht. Wenn hier die Autos der Arbeiter oder Lieferanten vorbei fahren, wird doch ganz gut Staub aufgewirbelt, den wollten wir nicht im Lack haben.

Wir sind beide sehr angetan vom Ergebnis! Der Farbton war eine gute Wahl und das Auftragen hat auch gut funktioniert. Kassiopeia sieht wie aus dem Ei gepellt aus 🙂 Dabei haben wir weder poliert, Beschriftung und Marlin angebracht und der blaue Streifen fehlt auch noch. Wir würden sagen, es war eine gute Entscheidung, Kassiopeias Bauch hier in Deltaville zu streichen. Es ist noch nicht zu heiß, auch nicht zu feucht. Das Material bekommt man sehr einfach und preislich dürfen wir uns auch nicht beschweren.

Zuerst dachten wir, dass die Farbe hier teurer ist als in Deutschland, was aber so nicht stimmt. Verwendet haben wir den 2K-Lack „Perfection“ vom Hersteller „Interlux“ (in Deutschland „International“). Der Dosenpreis lag bei $68 (Bestellung über den grandiosen Hardwarestore Hurd’s hier in Deltaville), in Deutschland kommt eine auf etwa 40€, allerdings sind die Dosen hier größer (~950ml gegen 750ml) und somit kommt das bis auf ein paar Cent hin oder her auf das gleiche. Uns kam die größere Einheit entgegen, pro Anstrich haben wir genau eine Dose verbraucht.

Gestern war dann noch eine Nachbesserung nötig. Zwei Tage, nachdem die Grundierung fertig war, hat es nachts geregnet und wir haben beide beim ersten Blick früh auf den Rumpf einen Schreck bekommen: braune Streifen! Bei manchen Schrauben, mit denen die Fußreling befestigt ist, haben sich Rostnasen gebildet. Das geht ja mal gar nicht auf dem fertigen Lack! Also haben wir von außen die Fußreling mit Sikaflex abgedichtet. Wir sind gespannt, wo dann die Rostnasen hinlaufen… Die Schrauben neu einsetzen kam nicht in Frage, wir wissen nicht, welche Qualität wir hier kurzfristig bekommen hätten…