durch Wald und Seenland

Seit Thunder Bay sind wir weiter durch Wäler gefahren, haben unzählige Seen zwischen den Bäumen durchblitzen sehen und uns immer wieder an unterschiedlichen Aussichten erfreut. Der erste Stopp allerdings war an den Kakabeka Falls, kurz nach Thunder Bay. Wunderschön gelegen, ein kleines Schmuckstück knapp neben der Straße. Übernachtet haben wir in Fort Frances, einem kleinen Grenzort, von dem wir mal wieder in die USA gucken konnten. Prompt haben wir uns mit einer Kanada-Flagge als Aufkleber für´s Auto ausgestattet – US-Amerikaner sind nicht die allerbeliebtesten im Land, und wir fahren nunmal mit US-Kennzeichen durch die Gegend… Vielleicht hilft das ja! Der Lage am Rainy River hat der Ort Folge geleistet, nachts gab es ein Gewitter, das uns mit seinen heftigen Blitzen und Donnern nicht so sehr viel schlafen lassen hat.

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich eine Begräbnisstätte ansehen, leider war aber genau an dem Tag geschlossen. Wir konnten uns ein wenig am Gelände umsehen, aber gerade das Museum, das wir sehen wollten, war nicht zugänglich. Dann eben weiter, bis zum Rushing River Provincial Park. Ein wunderschön, mitten im Wald gelegener Park mit großem, weitläufigem Campinggelände. Wir hatten einen herrlichen, ruhigen Platz und uns spontan entschlossen, noch eine zweite Nacht zu bleiben. Gestern sind wir dann einen Wanderweg gegangen und haben ansonsten einfach nur die Natur genossen. 

Heute hat sich diese nämlich für uns ziemlich verändert – wir sind in der Provinz Manitoba angekommen. Hier beginnt die Prärie, es wird flach, weit und Getreidefelder überwiegen. Straßen sind mit dem Lineal gezogen und Kurven somit rechtwinklig. Ein neues Fahrgefühl!

Thunder Bay

Das klingt ziemlich dramatisch, ist es aber nicht. Thunder Bay ist nach North Bay die letzte größere Stadt im Westen Ontarios. Auf dem Weg zu unserem Campingplatz haben wir an einem Aussichtspunkt angehalten und erstmal einen wunderbaren Blick über die Bucht und den Lake Superior genossen. Am Aussichtspunkt stand auch eine Statue von Terry Fox, einem Volkshelden Kanadas. Fast überall haben wir schon Statuen von ihm gesehen oder Inschriften. In seinem Namen werden immer noch Spendengelder für die Krebsforschung gesammelt.

Vorgestern sind wir hier schon angekommen, gestern haben wir einen kurzen Ausflug in die Stadt unternommen. Der erste Eindruck war nicht sehr schön, etwas trist kam uns alles vor. Das kann aber auch am grauen, leicht regnerischen Wetter gelegen haben. Im sehr netten Museum wurden wir äußerst freundlich und ausführlich zu weiteren interessanten Plätzen in der Gegend aufgeklärt (so sehr viele sind es nicht), weiter sind wir zum Hafen mit Aussicht auf den Sleeping Giant und ein wenig durch die Läden gebummelt. Das war dann noch ein deutliches Stück netter als der erste Eindruck. Sehr deutlich zu sehen an den Läden ist der finnische Einfluss. In Thunder Bay befindet sich die größte Gemeinschaft an Finnen außerhalb ihres Heimatlandes. Es gibt finnische Andenken, Lokale und Spezialitäten. Und einen deutschen Bäcker – seit gestern gibt es Brotzeit bei uns 🙂

Heute sind wir hier im Fort William geblieben, wir haben einen netten Stellplatz und mussten auch mal ein wenig das Auto aufräumen. Und ein Tag Pause tut auch mal gut. Bisher gefällt uns Kanada sehr gut! Landschaftlich wunderschön und beeindruckend in der Größe und Weite! Auch mit den Kanadiern gab es bisher nur gute Erfahrungen (umso besser, wenn sie mitbekommen, dass wir nicht dieselbe Nationalität haben wie unser Auto…), gestern gab es von unseren Nachbarn Marlene und Paul sogar eine große Flasche selbstgemachten Wein geschenkt. Gewöhnungsbedürftig sind aktuell die langen Abende für uns, hier weiter im Norden wird es einfach deutlich später dunkel als in Deltaville (jetzt um 22:30Uhr ist immer noch ein wenig Tageslicht).

Algonquin und weiter westwärts

Donnerstag nach dem Museum sind wir noch ein Stück gefahren, vorgestern wollten wir den Algonquin Provincial Park durchqueren und auch ein wenig wandern gehen. Wir sind früh von unserem Campingplatz aufgebrochen, Moskitoschwärme haben uns verscheucht. Da wussten wir noch nicht, dass das erst die Ouvertüre war…

Der Park ist teilweise von der Fernstraße 60 aus zugänglich, man könnte einfach durchfahren, dann benötigt man kein Parkticket. Wenn man allerdings zwischendurch anhalten will, sei es zum wandern, picknicken oder um das Infozentrum zu besuchen, dann kostet es pro Auto CA$17 (~11€). Wir haben zwei kürzere Wanderungen gemacht und zwischendurch an einem See zu Mittag gegessen. Die Landschaft ist wunderschön, immer wieder kommt man an Seen vorbei, gesäumt von Wäldern, jeder sieht ein wenig anders aus! Die Wege sind gut beschildert und offensichtlich auch bei den angesiedelten Moskitos bestens bekannt. Wir wurden regelrecht überfallen und ausgesaugt, wenn wir mehr als eine gefühlte Millisekunde ruhig standen. Leider kann man so die schöne Aussicht nicht so sehr genießen… Wir haben fleißig Antimückenschutz gesprüht und gecremt, unzählige der Mistbiester draußen und im Auto erschlagen und uns dennoch am Park erfreut!

Gestern und heute war dann das Hauptthema „Fahren“. Zum Einen wollten wir ein wenig Strecke zurücklegen, zum Anderen gibt es unterwegs außer Landschaft tatsächlich nicht viel anzusehen. Es wechseln sich Bäume mit Seen und Flüssen ab, zwischendurch sahen wir auch unglaublich weiter Flächen an Feldern mit ein paar Kühen dazwischen. Durch ein paar Ortschaften kamen wir auch, die waren aber sehr verstreut. Die Strecke heute war noch ein wenig weniger besiedelt als gestern – zwischen Hearst und Longlac lagen einfach „nur“ gut 200km Wald mit ein paar Seen. Ohne weitere Ortschaft dazwischen. Sehr beeindruckend! Falls es jemanden genauer interessiert: zwischen North Bay und Thunder Bay haben wir uns für die Nordroute auf der 11 entschieden. Das ganze ist Teil des Trans-Canada-Highway, der drittlängsten Straßenverbindung der Welt.

Ottawa

Die Hauptstadt Kanadas, Ottawa, wollten wir natürlich nicht auslassen. Für zwei Nächte haben wir uns einen Walmarkt-Parkplatz gegönnt (normalerweise wird erlaubt, dass man dort im Camper/Auto übernachtet und das Klo nutzt) – alle Campingplätze waren uns zu weit außerhalb der Stadt. Ins Zentrum war es am Mittwoch nicht mehr weit und wir haben eine neue Erfahrung in einem Parkhaus gemacht: wenn es voll ist, kann man da durchaus auch in der Fahrgasse stehen. Ein Mitarbeiter hat die Schlüssel eingesammelt und bei Bedarf im Weg stehende Autos zur Seite gefahren. Sehr pragmatisch, gefällt uns 🙂

Wir hatten keinen so sehr festen Plan für den ersten Tag, nur ein paar Anlaufstellen. Erstes Ziel war der Rideau-Kanal, bzw. seine Schleusenanlage zum Ottawa-River. Der Kanal ist die älteste ununterbrochen genutzte künstliche Wasserstraße Nordamerikas und die Schleusen sind wohl noch ziemlich original – sie werden mit der Hand betrieben. Leider konnten wir sie nicht in Aktion erleben, es war kein Verkehr. Die Anlage ist auf jeden Fall äußerst sehenswert! Weiter sind wir zum Parlamentshügel, der gleich nebenan liegt. Grundsätzlich sind auch gratis Führungen durch´s Parlament möglich, nur hatten wir einen schlechten Zeitpunkt, es gab gerade Staatsbesuch aus Frankreich (und in dem Fall gar keine Führungen). Abschließend sind wir noch ein wenig durch die Straßen geschlendert, haben uns im „Bierhaus“ eine Palette mit Probebieren gegönnt (was sonst?) und sind zu unserem Parkplatz zurückgefahren.

Für Donnerstag hatten wir einen Plan: das Kanadische Museum für Geschichte. Laut Reiseführer unbedingt sehenswert – und das unterschreiben wir sofort! Durch die gerade laufende Ausstellung zum Mittelalter in Europa (Nürnberg ist auch erwähnt) sind wir recht flott durch, die andere temporäre Ausstellung zur Erkundung der Nordwestpassage hat uns spontan dann doch mehr gefesselt. Die Ausstellung war sehr aussagekräftig und interessant aufgebaut. Viele Erläuterungen, Interviews zum Nachhören und anschauliche Videos und Exponate. Toll!

Anschließend ging es zur Dauerausstellung um die kanadische Geschichte. Und zwar nicht des Staates Kanada (das wäre bei 151 Jahren schnell erzählt), sondern der Geschichte auf der Landfläche der aktuellen Staatsfläche. Angefangen ein paar tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung bis in die Gegenwart. Und auch diese Ausstellung war fantastisch aufgemacht. Umheimlich abwechslungsreich mit vielen Exponaten, Erläuterungen, Karten und interaktiven Beispielen. Sehr ausführlich und äußerst informativ war die Frühgeschichte dargestellt, dieser Teil hat uns auch am meisten interessiert. Die Einwanderung der Europäer und insbesondere der Umgang mit Indigenen (auch in jüngerer Vergangenheit) wurde durchaus kritisch betrachtet. Im Nachbarland haben wir das bisher im Ansatz vergleichsweise nur in einem der Smithsonian Museen gesehen…. Insgesamt war das für uns wohl das am bisher besten aufgemachte Museum, das wir besucht haben!

Regen und sattes Grün um uns

Wie vom Wetterbericht angekündigt, hat es in der Nacht auf Montag zu regnen begonnen. Das ganze kombiniert mit einem Temperatursturz auf knapp über 10°C. Nicht so doll, aber das wird schon auch wieder besser werden. Wir haben uns auf den Weg gen Westen gemacht, gelandet sind wir im Parc National de Plaisance, irgendwo zwischen Montréal und Ottawa auf einer Insel. Da wohl auch aufgrund des Wetters grad nict so viel los ist, haben wir den besten Stellplatz zugewiesen bekommen. Und der war tatsächlich grandios!

Der Regen hat abends eine Pause gemacht, und so konnten wir uns für bestimmt zwei Stunden ans Wasser setzen und die Aussicht genießen. Garniert wurde sie durch einen regelrechten Zoo, der sich u.a. um uns herum gezeigt hat: Biber, Buntspechte, Streifenhörnchen, Schildkröten, Blauhäher, Rehe, Murmeltiere und ein wildes Vogelgezwitscher um uns herum. Der Platz war nicht billig, aber ein echtes Highlight!

Jetzt vormittag regnet es weiter, also schwingen wir uns wieder ins Auto.

Montréal

Unsere Überdosis Stadt haben wir überwunden und uns heute früh nach Montréal bewegt (gestern hatten wir tatsächlich noch kurz mit uns gekämpft). Vom Campingplatz aus mussten wir ein Stück mit dem Auto bis zur Metro fahren, leider sind wir hier etwas in der Pampa. Dafür liegt der Platz sehr ruhig.

Montréal hat uns sehr gut gefallen! Es wirkt ein wenig wie in Frankreich (kein Wunder, man hört ja auch überall Französisch), die Altstadt ist sehr malerisch und man bekommt endlich wieder richtig guten Espresso. Wir sind ein wenig durch die Straßen geschlendert, haben uns am Hafen herumgetrieben, Skyline bewundert und dann wieder zurück zum Campingplatz. Nachdem es heute Nacht zu regnen beginnen soll, wollten wir noch ein wenig das schöne Wetter in aller Ruhe bei einem Glas Wein genießen.

weiter nach Norden

Gestern und heute ging es ziemlich genau gen Norden weiter. Obwohl – in New York City hatten wir noch eine leichte Irrfahrt, die auch ein wenig Zeit gekostet hat, aber irgendwann waren wir dann aus dem ganzen Verkehrsgewühl raus. Und es wurde grüner und grüner. Wunderschön! Wir hatten wohl auch beide eine leichte Überdosis an Menschentrubel und Verkehr zu verdauen…

Zwei Stopps machten wir gestern: in der Berkshire Mountain Bakery (wir hatten in einer Kochsendung gesehen, dass sie anscheinend richtig gutes Brot backen und es lag eh in etwa auf unserem Weg – den Stopp war es definitiv wert!) und bei zwei überdachten Brücken in der Nähe von Bennington in Vermont. Die waren hübsch, aber nicht sooo der Brüller (lagen aber auch auf dem Weg). Übernachtet haben wir mitten im Wald, dem Emerald Lake State Park. Endlich im Grünen! Ein sehr schöner Stopp, aber wir wollten ja heute noch nach Kanada, also haben wir uns nicht zu spät auf den Weg gemacht. Wir sind weiter auf der Landstraße gen Norden (das Thema mit dem Erhalt von Straßen sollten sich alle Zuständigen für unsere gefahrenen Strecken ab New York City nochmal im Lehrbuch genauer ansehen…) und nach einer kurzen Mittagspause am Lake Champlain nach Kanada eingereist. Kurz nach der Grenze, noch vor Montréal, sind wir auf einen Campingplatz, von dort aus planen wir für morgen einen Trip in die Stadt. Gedanklich werde ich bis dahin mein Französisch wieder auspacken, wir sind im französischsprachigen Teil Kanadas…

zweimal Manhattan

Wir hatten uns die Tage perfekt eingeteilt, das Wetter hat genau so mitgespielt, wie wir es gebraucht haben. Gestern sind wir High Line Park entlang gelaufen. Es ist eine alte Bahntrasse, die über den Straßen Manhattans verläuft und inzwischen wunderschön begrünt ist. Man kann entlang des Weges viel Zeit verbringen, sich immer wieder mal hinsetzen, den Ausblick auf die Straßenschluchten von ein wenig weiter oben genießen und muss dabei weder auf Ampeln noch auf Autos aufpassen. War ein sehr schöner Spaziergang! Anschließend sind wir durch Chelsea Market geschlendert – hauptsächlich gibt es bunt gemischte Essensstände oder kleinere Lokale für Snacks und ein ganz buntes Treiben. Wir haben uns eine (taiwanesische? koreanische? auf jeden Fall asiatische) Suppe gegönnt, die durchaus an die im Markt in Saint-Laurent-du-Maroni rankam! Zumindest geschmacklich, preislich lag ein Eck dazwischen… Zum Abschluss des Tages sind wir noch kurz zum Central Park gefahren, wir wollten ein paar Sonnenstrahlen einfangen.

Heute hatten wir nicht so viel Programm geplant, das Wetter war auch sehr unfreundlich: Nebel (der sich nicht wie gestern aufgelöst hat), Nieselregen und ein Stück kühler. Hauptpunkt heute: das National Museum of the American Indian. Es ist ein Smithsonian, was für Qualität spricht. Außerdem kosten die Smithsonian-Museen keinen Eintritt, kann man also nicht viel falsch machen. Und wir fanden es richtig gut! Das zum gleichen Thema in Washington DC hatten wir ja schon gesehen (sehr empfehlenswert!), das hier in Manhattan ist eine gute Ergänzung dazu. Es gibt hauptsächlich Exponate aus ganz Amerika, also vom kompletten Kontinent, die zeigen, welch unterschiedliches und beeindruckendes Kunsthandwerk gefertigt wurde.

Von Wolkenkratzern mit viel Verkehr drumherum haben wir erstmal genug. Morgen geht es dann also weiter, wir wissen noch nicht, wo wir landen. Wie es die nächste Zeit mit Berichten und insbesondere Bildern dazu klappt, wissen wir auch noch nicht. Wenn wir keinen Übernachtungsplatz mit Strom haben, können wir die Computer nur unterwegs laden und da werden wir sehen, wie weit die Akkus reichen. Wir sind auch darauf gespannt!

Unterwegs

Gestern haben wir wie geplant den Absprung geschafft, heute sind wir schon auf Long Island. Wir hatten uns für die Route entlang der Küste entschieden, es ging also erstmal gen Süden und dann ab dem Chesapeake-Bay-Bridge-Tunnel nach Norden. Gefahren sind wir bis Lewes in Delaware, haben dort nach der ersten Nacht im Auto (man liegt echt bequem) die Fähre nach Cape May genommen. Von dort sind wir, teilweise über Nebenstraßen und auch ein Stück Küstenstrasse mit Kurzausflug an den Strand bis New York weiter. Die Fahrt war angenehm – bis wir über die Verrazano-Brücke kamen. Ab da haben wir für die letzten 19 Meilen noch ganze 3 Stunden gebraucht. Es ist uns völlig unverständlich, wie sich jemand so einen Verkehr jeden Tag antun kann…

Die Route war schön, die Gegend entlang der Küste hatten wir noch nicht gesehen! Und morgen geht´s nach Manhattan – aber nicht mit dem Auto!

Natur pur

Wir stehen mit dem Heck in Richtung eines Streifens Wald. Direkt dahinter sieht man den Creek durchschimmern, aber das Grüne dazwischen platzt vor Leben. Wir können am Heck sitzend einem bunten Treiben zusehen: Krähen, Kardinäle, Grauhörnchen, Libellen und noch allerlei mehr. Die Grauhörnchen stehen dabei natürlich unter besonderer Beobachtung (das von letzter Woche haben wir inzwischen gefangen und weit, weit weg wieder ausgesetzt), es hat sich aber keines mehr Kassiopeia genähert. Und wir hoffen, dass sie sich auch weiterhin von ihr fernhalten!

Und da wir ja auch schon eine Weile hier sind, sammeln sich mit der Zeit Bilder, die wir bisher nicht in Artikeln untergebracht haben. Wie zum Beispiel die, die wir von etlichen Häusern hier in der Umgebung gemacht haben. Deltaville ist im Prinzip ein kleines Dorf am Ende der Welt und hat mit Hurd`s auch sowas wie einen Ortskern – die Häuser sind aber alle weit verteilt. Die Häuser und Grundstücke sind mehr oder weniger verfallen, manche auch sehr schön gepflegt.

Inzwischen haben wir unser Auto fast komplett bestückt, der Stauraum unter dem Bett ist Gold wert! Wir haben (vermutlich) alles dabei, was wir so brauchen, auch die Verpflegung zwischendurch ist gesichert. Und für alles andere gibt es sicherlich auch in Kanada Geschäfte, in denen man einkaufen kann.

Fertig!

Kassiopeias neuer Anstrich war ja schon vor ein paar Tagen fertig, die Feinheiten haben noch gefehlt. Den Schriftzug haben wir in Kilmarnock machen lassen, aufgeklebt war er schnell. Den Marlin haben wir letztes Jahr schon aus Deutschland mitgebracht, da wollten wir wieder die gleiche gute Qualität haben wie beim letzten (Danke, Herr Göbel!). Und heute war der Bugspriet dran. Ein paar Karambolagen hat er ja schon mitgemacht, insgesamt hat er die aber beeindruckend gut überstanden. Neue Schrauben waren fällig, und ein wenig Kraftaufwand und jetzt ist er grader montiert als zuvor. Wir sind noch am Überlegen, ob wir den blauen Streifen über der Wasserlinie wieder anbringen, das entscheiden wir diese Woche. Kommt auch aufs Wetter an.

Die letzten Tage hat es fast durchgehend geregnet, da wäre nicht dran zu denken gewesen. Unterdessen haben wir schon teilweise das Auto eingeräumt und die ersten Sachen für unterwegs drin verstaut. Bevor es gen Norden geht, sind aber noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Wie z.B. mal wieder die Jagd auf Squirrel… Diesmal treiben sich gleich zwei auf dem Dach hinter Kassiopeia rum, auf dem Boot waren sie unseres Wissens noch nicht. Die beiden sind allerdings bisher so schnell, dass sie es noch schaffen, vor dem Zuschnappen aus der Falle zu flüchten. 

Autopflege

Neben Kassiopeias Anstrich beschäftigt uns zur Zeit auch unser Auto ein wenig. Schon als wir es gekauft hatten, war die Fahrertür verrostet. Wir haben lange überlegt, ob wir sie wieder herrichten, man würde es wohl immer sehen, dass es nicht die originale Farbe ist. Inzwischen kamen wir zu dem Schluss, dass das jedoch das kleinere Übel ist, wenn wir irgendwann mal das Auto wieder verkaufen. Der Rost wurde doch nicht weniger… Also wurde neben Kassiopeia auch immer wieder mal am Auto geschliffen, gespachtelt, grundiert, lackiert und am Ende noch eine Schicht Glanzlack aufgetragen. Hat sich gelohnt!

Letzte Woche schon haben wir die hinteren Sitze ausgebaut, hier im Yard eingelagert und uns ernsthaft Gedanken zum Thema Bettkonstruktion gemacht. Einer der Gründe, weshalb wir einen Van gekauft hatten, war, dass wir da auch drin schlafen können. Einmal haben wir das schon ausprobiert, und gemütlich ist eindeutig was anderes… Und da wir auch ein wenig Gepäck mitnehmen müssen, haben wir ein Gestell gebaut, auf das unsere Matratzen aus der Heckkabine passen und unter dem wir Stauraum haben. Luft nach oben ist immer noch genug. Wir sind auf die erste Nacht gespannt!

Tja, und dann waren wir beim „TÜV“ (hier: Safety Inspection – Sicherheitsinspektion). Trotz eines SEHR deutlich abgefahrenen Hinterrades hat Klara ohne Mängel („man sieht ja noch keine Fäden aus dem Reifen schaun“) und Auflagen ein neues Bläbberle bekommen. Neue Hinterreifen haben wir dennoch gekauft und aufziehen lassen, auch beim Getriebeöl war mal ein Wechsel fällig. Tja, und beim Reifenwechsel ist aufgefallen, dass der Bremszylinder auf einer Seite nicht mehr dicht ist. Das könnte irgendwann mal blöde enden, also haben wir den noch beidseitig austauschen lassen. Ist zwar ein wenig ärgerlich, weil der ganze Spaß mal schnell in Summe knapp $600 gekostet hat, aber dafür haben wir bisher praktisch nichts in Wartung investieren müssen. War also immer noch ein guter Kauf!

Die nächsten Tage müssen wir Kassiopeias Bauch vervollständigen (der Marlin fehlt noch) und so langsam unsere Sachen für die Landreise zusammensuchen. Und nebenbei so Kleinigkeiten erledigen, wie Verstpfungen in Lenzrohren beheben (das erfordert ein komplettes Ausräumen der großen Backskiste), Vorräte sichten, Entstauben der Bugkabine (hinter der abzuschraubenden Verkleidung), usw.. Da findet sich bestimmt noch das ein oder andere „Vergnügen“.

jetzt sind wir polizeibekannt

Aber nur als Zeugen!

Aufgebot

Und das kam so: wir wollten nur mal schnell zu Hurd´s, einen Pinsel und Lack kaufen. Weit waren wir noch nicht gekommen, wurde Michl plötzlich langsamer und es hat einen Schlag getan. Aus einer Seitenstraße kam einer, der offensichtlich weder das Stoppschild noch den von links kommenden Pickup beachtet hat. Mit Wucht hat er den Anhänger des Pickups erwischt und auf die andere Straßenseite geschleudert, wir waren nur Zuschauer, weil wir noch weit genug entfernt waren. Verletzt wurde glücklicherweise niemand!

State Police

Weiter fahren wollten wir nicht direkt, wir waren die einzigen Zeugen. So richtig nötig waren wir aber anscheinend nicht, der Unfallverursacher hat komplett alles zugegeben. Da hätte er sich allerdings auch nur schwer rausreden können… Interessant für uns war es trotzdem und eine Aussage haben wir abgegeben. Es wurde alles aufgefahren, was Ort und Umgebung hergeben: Feuerwehr, Krankenwagen, Sheriff und State Police. 

das Auto des Unfallverursachers

Vorbeifahrende Auto haben immer wieder angehalten und die Beteiligten gefragt, ob alles in Ordnung ist – man kennt sich halt in Deltaville. Wer nicht da war, war die örtliche Presse 😉 

Beeindruckt hat uns der Schaden am Auto des Unfallverursachers, der war immens, obwohl er nicht viel schneller als vielleicht 20km/h war. Vielleicht lag es auch an der Wucht des anderen, er ist ihm ein wenig entgegen in den Anhänger gefahren. Auf jeden Fall standen seine Vorderräder in leicht unterschiedlichen Richtungen, den Anhänger hat es ein wenig verzogen…

So wurde dann aus „mal schnell“ ein zweieinhalbstündiger Ausflug und wir sind um eine Erfahrung reicher.

Neuseeländischer Erdofen

Wir hätten ja nicht gedacht, gerade hier in den USA in den Genuss einer neuseeländischen Spezialität zu kommen. Dennoch: gestern gab es Hāngi. Rick, der Chef hier von Yard, hat uns Freitag nachmittag für Sonntag in die Fishing Bay Marina eingeladen (die und der Yard daneben werden von jeweils einem seiner Brüder geleitet). Ein Loch wurde schon vor ein paar Tagen gebuddelt und während der Woche wurden die Essenskörbe geschweißt. und von irgendwo Eisenbahnschienen angeschleppt, auf die passende Länge geschnitten und vormittags schon in die Glut gelegt.

Dazu wurde eine Menge an Essen angeschleppt: eine frisch geschlachtete Gans, zwei Enten, Lamm und Schweinefleisch, Kartoffeln, Kürbis, Knoblauch, Zwiebeln, Weißkohl – alles ist am Ende im Erdloch gelandet. Fünf Stunden später wurde wieder alles ausgebuddelt und zum Verzehr freigegeben. Und es waren zwar etliche Leute da, aber es war auch völlig hoffnungslos, dass die Anwesenden die Fülle an Essen vertilgen konnten. Es war extrem lecker, alles hatte einen rauchigen, ein wenig erdigen Geschmack, aber einfach zuviel.

Der Anlass für die Veranstaltung war ein sehr netter: zum einen kocht Rick gerne, insbesondere wenn er dabei was ausprobieren kann. Und zum anderen ist gerade eine junge neuseeländische Crew hier, die morgen abreist, und so hat Rick die Gelegenheit wahrgenommen, den drei Jungs einen einmaligen Abschied zu bereiten. Und wir hatten auch noch was davon 🙂

Colonial Williamsburg

Rund um Williamsburg hatten wir gestern ein paar Sachen zu erledigen, das haben wir gleich mit einem kurzen Spaziergang durch die Altstadt von Williamsburg verbunden. Diese steht unter Denkmalschutz und ist eine lebende Altstadt. Die Häuser sind teilweise bewohnt, teilweise sind sie auch begehbar und man findet Werkstätten darin (dann muss man allerdings Eintritt bezahlen, der uns mit $41 zu teuer war) und durch die Straßen flanieren Menschen in Kleidung aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. Selbstverständlich gibt es auch Läden und Restaurants, in denen man ohne Eintrittskarte sein Geld lassen kann 😉 Falls wir nochmal in der Gegend sind, werden wir uns da sicher nochmal umsehen!

Zu erledigen hatten wir eine Mitgliedschaft bei AAA, dem Pendant des ADAC. Wir wollen ja im Sommer nach Kanada und da unser Auto nicht das allerneueste ist und manche Strecken da doch ein wenig länger sind, wollten wir für den Fall der Fälle vorsorgen. Bei der Gelegenheit haben wir uns gleich mit Kartenmaterial eingedeckt! Dann gab es für mich neue Wanderschuhe, die vor vier Jahren in Brasilien gekauften haben leider so gar keinen Halt auf glattem und auch nicht so glattem Untergrund mehr gegeben… Die Vorfreude auf den Sommer steigt 🙂