Fahrt durch Smog

Inzwischen sind wir in Squamish, das liegt am Howe Sound, von hier kommt man direkt in den Pazifik. Und das ganze 9.500km seit unserer Abfahrt in Deltaville. Wir sind richtig stolz auf unser Auto, das hat ihm nicht jeder zugetraut! Leider ist die Sicht ziemlich schlecht, verschiedene Waldbrände sorgen für Smog und so können wir nicht wirklich weit sehen. Aber das Gefühl ist trotzdem großartig 🙂

Das letzte Stück Fahrt hierher war grandios, wohl mit die schönste Strecke bisher. Wir sind über kleinere Straßen gefahren, durch enge Täler, bergauf und bergab, mit sehr vielen auch sehr engen Kurven. Die Gegend ist sehr spärlich bewohnt, viele Büsche, Felsen, Bäume und natürlich auch Flüsse sind zu sehen. Wenn man sie denn sieht, vor lauter Smog… Leider haben wir teilweise nicht mal die andere Seite des Tales erkennen können, das hat den Genuss schon getrübt. Andererseits war dadurch eine ganz besondere Stimmung, manches hat richtig geisterhaft gewirkt. Stellenweise hätten wir uns nicht gewundert, wenn Winnetou um die Ecke geritten wäre.

Nachdem auch nicht absehbar war, dass die Sicht kurzfristig besser wird, haben wir uns nicht so sehr lange aufgehalten, außerdem hatten wir das erste Mal ernsthafte Schwierigkeiten, einen Übernachtungsplatz zu finden. Sehr gerne hätten wir uns für die Strecke mehr Zeit genommen! Aber nachdem wir in Lillooet in einem Laden die Auskunft bekommen haben, dass sich der Smog letztes Jahr eher Monate gehalten hat und es dieses Jahr tendenziell schlimmer aussieht, sind wir weiter.

Einen Stopp haben wir noch in Whistler gemacht, wir wollten unbedingt das dortige Audain Kunst Museum besichtigen. Was wir uns hätten sparen können… Bisher waren wir ja sehr verwöhnt von Museen in Kanada, jetzt wissen wir, welches auf unserer persönlichen Liste den letzten Platz einnimmt. Unter „Art of BC“ (Kunst aus British Columbia) hatten wir uns einfach weniger moderne Kunst vorgestellt. Whistler war auch insgesamt nicht so „unsere“ Stadt – ausschließlich auf Touristen ausgerichtet und praktisch ohne Campingmöglichkeit.

Weingegend

Nach Kaslo ging es wieder in Richtung Westen, wieder durch die Berge – die hier aber ganz anders aussehen. Es ist trockener, weniger Bäume und auf den Hügeln sieht man hauptsächlich braunes Gras oder Gestrüpp. Die Luft ist sehr dunstig, klare Sicht haben wir nicht wirklich. Das kommt, so wurde uns erzählt, von Waldbränden, die in der Gegend sind. So trocken wie alles ist, wundert uns das gar nicht. Viel geregnet hat es auch nicht in der letzten Zeit. Zudem ist es richtig heiß geworden, Höchstwert am Thermometer waren 43°C, das sind wir nach den Bergen schon gar nicht mehr gewohnt. 

Heute sind wir ein Stück durch´s Okanagan Valley gefahren und haben uns fast ein wenig wie am Gardasee gefühlt. Wir waren umgeben von Weinbergen, Obstplantagen, Verkaufsständen und ganz vielen Urlaubern. Der See ist gesäumt von Bergen, die dann aber teilweise doch anders aussehen als in Italien: teilweise schroff und deutlich trockener, auch eher bräunlich. In Penticton haben wir den samstäglichen Farmersmarkt besucht – endlich mal wieder einer, der den Namen auch verdient! Viele unterschiedliche Verkaufsstände, etliches an Obst und Gemüse, und natürlich durfte eine Weinprobe auch nicht fehlen. Noch dazu haben wir bei einem deutschen Bäcker das beste Brot seit langem gefunden. Es geht uns gut 🙂

wieder unterwegs

Heute vormittag sind wir wieder aufgebrochen. Wir hatten ein paar schöne Tage bei Isolde und Gabor, aber es gibt ja auch noch das ein oder andere zu sehen in Kanada, bevor wir wieder zurück zu Kassiopeia fahren. Einen Ausflug hatten wir die Tage gemacht, zusammen mit Gabor und dem Nachbarn Jeff sind wir zum Wilson Creek gefahren. Das ist ein Wasserfall mitten in den Bergen. Man muss ein bißchen bergauf und bergab durch den Wald laufen, dann kommt man zu einem richtigen Schmuckstück in den Bergen.

Auf unserem eigentlichen Weg nach Westen sind wir heute erstmal wieder nach Osten gefahren – Sandon und Kaslo waren das Ziel. Sandon ist eine alte Silberbergwerksstadt, die um 1900 ihre Hochzeit hatte. Durch Streiks und verschiedene Naturkatastrophen (Überschwemmung, Feuer) und natürlich auch dann irgendwann das Industriezeitalter war das Ende von Sandon bald besiegelt. Ganz im Gegensatz zu Kaslo: wunderschön am See gelegen, mit Strand und netter, historischer Bummelmeile. Leider haben wir nur für eine Nacht eine Lücke am Campingplatz gefunden, sonst hätten wir spontan noch einen Tag drangehängt.

Nationalparks zum zweiten

Von Hinton ging es zurück in Richtung Jasper, aber bevor wir auf den Icefields Parkway abgebogen sind, haben wir noch am Maligne Canyon und Maligne Lake angehalten. Der Canyon ist wunderschön, leider war er ebenso von Touristen überlaufen wie auch der Maligne Lake. Da hätten wir besser zu einer anderen Uhrzeit kommen sollen… Gelohnt haben sich die beiden Stopps dennoch! Recht traurig anzusehen, besonders in Jasper und Umgebung, ist der große Schaden, den der Bergkiefernkäfer angerichtet hat. Unheimlich viele, stellenweise bestimmt über 90% der Bäume sind rot und abgestorben. Wenn sie einmal vom Käfer befallen sind, gibt es praktisch keine Rettung mehr. Gegen den Käfer hilft z.B. Feuer, aber damit kämpfen sie hier in Kanada sowieso regelmäßig und auch aktuell.

Am nächsten Tag sind wir weiter direkt zum Campingplatz am Wilcox Creek beim Columbia Icefield gefahren, haben erstmal ausgiebig die Aussicht genossen und uns dann das Infozentrum und die noch übrige Gletscherzunge am Athabasca Gletscher. Im Infozentrum wird recht deutlich auch Folgen des Klimawandels hingewiesen. Vom Wasser des Columbia Eisfeld sind große Teile Kanadas abhängig, wenn es mal weg ist, wird das zum großen Problem. Und es schmilzt immer schneller.

Weiter ging es nochmal etwas ausführlicher zum Bow Lake, da sind wir auf dem Weg nach Norden recht flott dran vorbei gefahren. Ein paar andere Stellen hatten wir uns auch erst für den Rückweg aufgehoben, wie z.B. den Peyto Lake. Den nächsten Tag sind wir etwas früher aufgestanden. Wird wollten nach Lake Louise, dort wird in der Hauptsaison bereits ab 6 Uhr früh der Verkehr kontrolliert, das heißt, es ist von Touristen überlaufen. Und es hat sich gelohnt, um 5 Uhr aufzustehen! Der Blick, wenn die Sonne so langsam um die Berge kommt, ist wunderschön!

Nächste Station war der Glacier Nationalpark. Dort haben wir viel über die Geschichte der Zugverbindung über die Berge gelernt. Den Bewohnern von British Columbia wurde einmal versprochen, innerhalb von 10 Jahren eine Bahnstrecke von West nach Ost zu bekommen, dies war mitentscheidend für den Beitritt zu Kanada. Das Versprechen wurde nicht ganz eingehalten, aber irgendwann war die Strecke dann doch fertig. In der Nähe unseres Campingplatzes waren noch die Überreste einen Hotels zu sehen, das an der Strecke gebaut war. Durch Lawinenabgänge (eine hat 58 Arbeiter das Leben gekostet) wurde die Canadian Railway Pacific gezwungen, mehr Tunnels zu bauen, die auch immer noch in Betrieb sind. Einen Zug haben wir beobachtet, der war mit gesamt zwei Zugmaschinen und 138 Waggons unterwegs.

Inzwischen sind wir bei Freunden in British Columbia, in der Nähe von Nakusp, helfen ein wenig beim Hausbau und arbeiten liegengebliebenes auf. Mal sehen, wann es uns weiterzieht 😉

Besuch bei Freunden in Hinton

Wir hatten ja das große Glück, auf unserer Paddeltour entlang des Red Deer River Freunde gefunden zu haben, also haben wir sie gleich zuhause in Hinton besucht. Zwei Nächte waren wir bei Illo und Rick, sie waren grandiose Gastgeber! Sie haben uns viel von der Umgebung gezeigt, wo sie im Bergbau gearbeitet haben, wir sind nach Cadomin gefahren, einen kleinen Weiler im Nirgendwo, haben Rehe gesehen, einen Silberfuchs und aus der Ferne einen Schafbock. Wir waren in den Hotsprings, haben auf dem Weg dahin unsere ersten Bären gesehen (Schwarzbären, eine Mama mit Nachwuchs) und sind im William A. Switzer Provincial Park ein Stück durch den Wald gelaufen. Nebenbei gab es leckeres Essen und ein Wiedersehen mit weiteren Freunden – Danke euch allen für die schöne Zeit!

Morgen geht es zurück in Richtung Süden, ein paar Stellen des Icefields Parkway haben wir uns für den Rückweg aufgehoben.

Rocky Mountains zum ersten

Wir hatten es Freitag tatsächlich geschafft und sind halbwegs früh aufgebrochen. Da war wohl einfach die Vorfreude zu groß zum Verschlafen 🙂 Und das war gut so! Die letzten Tage sind wir über Banff (Stadt und Nationalpark), Icefields Parkway und Jasper (auch Stadt und Nationalpark) in Richtung Norden gefahren. Wir haben inzwischen unsere warmen Jacken aus den Tiefen des Autos gekramt – Sommer in den Rocky Mountains heißt tagsüber bei Sonne knapp über 20°C, nachts um die 5°C, es kann durchaus auch mal schneien. 

Übernachtet haben wir auf Zeltplätzen in den Nationalparks. Die meisten dort sind „unserviced“, d.h. es gibt ein Plumpsklo, Trinkwasser und Feuerholz, Anmeldung und Zahlen funktioniert per Briefumschlag. Und wer zuerst da ist, bekommt einen Platz. Jetzt in der Hochsaison sollte man somit nicht allzuspät seinen Schlafplatz wählen, mit unserem doch relativ kleinen Reisemobil hatten wir aber immer Glück. Die Plätze sind ausnahmslos wunderschön gelegen – was aber wohl auch an der herrlichen Gegend liegt! Eine Nacht waren wir im sogenannten Overflow-Bereich, da kommen die hin, die keine Parzelle mehr bekommen haben. Neben uns haben Radler gezeltet, die so richtig interessante Geschichten hatten. Der eine war auf dem Weg von Alaska nach Bolivien, ein anderer nach Florida und einer will innerhalb von 90 Tagen vom Nord- zum Südzipfel des ganzen Kontinents radeln (den haben wir leider nicht kennengelernt). Beeindruckend, welche Strecken die Jungs und Mädels zurücklegen, und das alles mit reiner Muskelkraft.

Die Stadt Banff hat uns nicht so vom Hocker gehauen, das war uns einfach zu voll und touristisch. Also haben wir nur ein paar Infos über den Park eingesammelt. Weiter nördlich sind wir an Lake Louise vorbei gefahren – das ist so überlaufen, dass man schon SEHR früh da sein muss. Wir haben immer wieder angehalten um die Aussicht zu genießen – und es wurde schöner und schöner! Der Icefields Parkway fängt nördlich von Lake Louise an und führt an verschiedenen Gletschern vorbei, Highlight ist dabei sicherlich das Columbia Icefield. Aus dem Gletscher werden verschiedene Seen und Flüsse gespeist, das Wasser fließt in drei Ozeane ab – Pazifik, Atlantik und Arktisches Meer. Die letzten 175 Jahre ist es schon deutlich geschmolzen, die Zunge des Athabasca-Gletscher war damals noch gut 2km länger und würde bis über die heutige Straße gehen. Vom Icefield Infocenter aus haben wir uns einen Besuch des Skywalk gegönnt. Die Aussicht ist beeindruckend (besonders in eine Richtung), die Konstruktion auch (da kam meine berufliche Vergangenheit nochmal durch ;-))! Um das zu genießen musste ich meine Höhenangst überwinden, aber es hat sich gelohnt!

Einen kurzen Abstecher abseits der Nationalparks noch vor dem Columbia Icefield haben wir zu den Siffleur Falls gemacht. Es war eine kleine Wanderung von insgesamt 8km, die den Umweg absolut wert war! Die Schlucht, durch die das Wasser rauscht ist beeindruckend und man kann direkt am Wasserfall die Gewalt des Wassers regelrecht spüren. Kurz bevor wir vorübergehend vom Parkway abgebogen sind, waren wir noch beim Saskatchewan Crossing, ein früherer Handelspunkt, weil man dort die Flüsse leicht überqueren konnte. Die Aussicht ist atemberaubend schön!

Alle Aussichtspunkte kann ich hier gar nicht mehr auflisten, aber die Bilder sprechen ja für sich. Wir sind beide sehr begeistert, der Icefields Parkway zählt nicht ohne Grund zu den schönsten Straßen der Welt. Morgen besuchen wir Kanu-Freunde in Hinton, dann geht es zur zweiten Runde Rocky Mountains – der Plan ist, einen Teil der Strecke einfach nochmal, diesmal in die andere Richtung, zu fahren. Wir können uns nicht vorstellen, dass das langweilig wird!

Wieder zurück

Eisschollen – der Rückflug ging über die ziemlich nördliche Route

Der ein oder andere wird vielleicht gar nicht mitbekommen haben, dass wir weg waren. Wir waren für eine Woche als Geburtstagsüberraschung in der Heimat, das konnten wir verständlicherweise schlecht ankündigen (nachdem das Geburtstagskind gelegentlich hier mitliest). Gestern abend kamen wir zurück nach Calgary, eine Woche voll mit Familie, Freunden, leckerem Essen und Trinken liegt hinter uns. Auch mal schön!

der Anflug auf Calgary war spektakulär – leider kommt das auf dem Bild so gar nicht rüber

Heute sind wir noch auf einem Campingplatz nahe Calgary, alles an Mitbringseln muss ja auch verstaut werden. Gestern war uns das zu spät, wir sind mit zwei Stunden Verspätung erst um halb zehn gelandet und mussten uns erst einen PLatz zum Übernachten suchen. Morgen oder übermorgen geht es in die Berge, wir sind uns noch nicht sicher, ob wir uns noch einen freien Tag gönnen oder direkt in die Rocky Mountains und Nationalparks fahren. Mal sehn, wie lange wir morgen schlafen…

schon wieder paddeln, diesmal Calgary

Gestern hatten wir die wohl einmalige Gelegenheit, durch Calgary zu paddeln. Steve, der auf dem Kanutrip mit dabei war, hat uns angeboten, uns zum einen seine beiden Kajaks zur Verfügung zu stellen und zum anderen und zum Einstieg hinzufahren und beim Ausstieg ein Stück flussabwärts wieder abzuholen. Wir wären ja doof, wenn wir dieses Angebot nicht angenommen hätten! Und so kam es, dass wir gut zwei Stunden lang bei bestem Wetter den Bow River entlang durch die Innenstadt von Calgary paddeln durften.

Diesmal nicht mit Kanus zu sechst sondern mit Kajaks jeweils alleine. Der Vorteil alleine ist, man muss nur sich selbst ausbalancieren und ist da nicht von anderen abhängig, der Nachteil, man muss die ganze Paddelarbeit alleine machen. Aber der Fluss hilft ja mit der Strömung dazu. Weiterer Unterschied vom Kajak zum Kanu (oder Kanadier): man hat nicht nur ein Paddel, sondern auf jeder Seite eines. Das hilft! Trotz allem sind die Dinger ziemlich wackelig und wir haben beide ein wenig gebraucht, unser Gleichgewicht zu finden. Ging aber erstaundlich schnell! Das Geradeausrichten war dann gelegentlich noch eine Herausforderung und wir (einer von uns) haben herausgefunden, dass man nicht nur mit Kanus kentern kann… Und dass der Fluss recht kühl ist (kein Wunder, ist ja Gletscherwasser).

Die Tour war toll! Wir konnten Calgary aus einem wohl recht ungewöhnlichen Winkel sehen und sind durch eine unheimlich grüne Stadt gefahren. Leider war irgendwann der Akku unserer Kamera leer, deswegen nur wenige Bilder.

Steve – thank you so much for that experience! We absolutely appreciate it!

Paddeln auf dem Red Deer River

Die letzten Tage hatten wir die wunderbare Gelegenheit, etwas umzusetzen, was wir in Kanada unbedingt machen wollten – paddeln. Den Grundstein dazu haben wir bereits im Rushing River Provincial Park gelegt – wir hatten den Platz gegenüber von Rick und seiner Frau Ilo. Rick ist ein sehr geselliger Mensch, wir haben uns gut unterhalten und er hat uns spontan zu einem Kanutrip eingeladen. Dieser hat die letzten Tage stattgefunden, wir sind von knapp hinter Red Deer nach kurz vor Drumheller gepaddelt, insgesamt waren es um die 140km in vier Paddeltagen.

Dienstag spätnachmittag haben sich auf einem Campingplatz Nahe Red Deer alle getroffen, insgesamt waren wir 16 Personen, davon drei Kinder. Wir kannten nur Ilo und Rick, waren jedoch nicht die einzigen „neuen“ in der Runde. Es wurde der erste von vier schönen, geselligen Abenden. Alle hatten so ihre Erfahrungen auf dem Wasser, wir als einzige im Segelboot und ohne Paddel, alle anderen im Kanu oder Kajak, das gehört hier in der Gegend einfach dazu.

Mittwoch früh ging es los, wir haben uns auf zwei Kanus verteilt, es gab kurze Einweisungen und dann paddelten wir schon. Anfangs war noch richtig viel Konzentration nötig: wie man das Paddel hält, in welchem Winkel es durch´s Wasser zu ziehen ist (parallel zum Kiel), dass man auf seiner Seite sitzen bleibt, wie alle gleichzeitig die Seite wechseln (ohne dabei das ziemlich wacklige Gefährt aus dem Gleichgewicht zu bringen) und auch noch möglichst im gleichen Rhythmus zu paddeln. Und das hat alles ganz gut geklappt! Irgendwann konnten wir dann sogar die Landschaft genießen und zwischendurch das ein oder andere Tier (Rehe, Seeadler, Wasserschlangen, Enten, Wildgänse, …) beobachten. 

Ich bin ein wenig weniger mitgefahren, mir haben Schulterprobleme am ersten Tag einen Strich durch die Rechnung gemacht (aber irgendjemand muss ja auch die Autos von A nach B bringen), Michl ist fast die komplette Strecke gepaddelt. Inklusive einmal umkippen und Baden gehen – zum Hergang gibt es verschiedene Geschichten der Kanuinsassen (eine handelte von einem Handstand, eine andere von einer durch einen Sprung geretteten Mütze – eine davon stimmt ;-)). Alle hatten viel Spaß, der Muskelkater hielt sich überraschenderweise in Grenzen (anscheinend haben wir das mit der Technik nicht so ganz falsch gemacht) und wir sind sehr froh, dass wir mitfahren konnten!

Zum Abschluss gab es gestern Abend bei Deepu und Alok ein fantastisches original indisches Essen – Danke für Eure Gastfreundschaft! Und Danke an alle Mitpaddler, wir hatten viel Spaß und tolle Erlebnisse, besonders schön ist, dass wir neue Freundschaften schließen konnten!

Kanada hat Geburtstag

Und das ist ein Grund zum Feiern! Am 1. Juli vor 151 Jahren wurde Kanada unabhängig und das wird selbstverständlich gefeiert. Die meisten sind rot/weiß gekleidet, sehr viele haben irgendwo ein Ahornblatt – auf der Backe, dem T-Shirt,  Picknickstuhl oder einer irgendwo befestigten Flagge. Wir haben vom Campingplatz aus einen kleinen Spaziergang gemacht, im Bower Ponds Park war ein wenig Programm angekündigt. Der Spaziergang am Fluß entlang war schön, im Park war dann ordentlich Programm geboten. Auf der Bühne haben sich die Künstler abgewechselt, es gab Essensstände und noch verschiedene Aktivitäten auf dem Wasser. Alles war sehr international, das passt auch ins Bild, das wir bisher von den Kanadiern haben: die meisten sind sehr stolz auf ein gutes Miteinander unterschiedlicher Nationen und Kulturen im Land. Uns gefällt das!

Fahrt durch die Prärie nach Red Deer

Schon in Manitoba waren wir ja in der Ebene angekommen, nach Saskatoon hat sich das weiter fortgesetzt. Es ist wahnsinnig beeindruckend, stundenlang durch flaches Land zu fahren. Vielleicht kann man auch nur so die Weite „erfahren“. Der Himmel ist unglaublich abwechslungsreich und der Spruch „soweit das Auge reicht“, meint tatsächlich SEHR weit damit. Zwischendurch kommt mal ein Hügel, nicht sehr hoch, aber das reicht, dass man das Gefühl hat, noch ein wenig weiter sehen zu können. Währenddessen spielen sich am Himmel wahre Aufführungen der Wolken ab, durch den Wind, der hier ungebremst durchpfeift, ändert sich das Bild ständig. Regen sieht man schon von Weitem, man hat so genug Zeit, sich gegebenenfalls darauf vorzubereiten.

Inzwischen sind wir in der Provinz Alberta angekommen, der vorletzten auf unserem Weg nach Westen. Die Landschaft wurde so langsam ein wenig hügeliger, anfangs einfach nur grün geschwungen, von ihrer Weite hat sie dadurch nichts eingebüsst. Etliche Kilometer im Voraus sind die geraden Straßen zu erkennen, wie es immer auf und nieder geht, aber streckenweise auf über 50km keine Kurve kommt. Das letzte Stück bis Red Deer, wo wir aktuell sind, kamen zu den Hügeln wieder Wälder dazu, das macht gleich einen deutlichen Unterschied – die Weite ist plötzlich nicht mehr ganz so präsent. Der Himmel ist jedoch weiterhin grandios!

Saskatoon

Im Garten meines Elternhauses steht eine Felsenbirne. Diese war immer etwas besonderes, sie wurde gut umsorgt (z.B. ein durch einen Sturm abgerissener Ast wurde fachmännisch wieder angebunden und konnte wieder anwachsen) und war Jahr für Jahr zu unterschiedlichen Jahreszeiten, besonders im Frühjahr zur Blüte, ein beliebtes Fotomotiv. Ich hab keine Ahnung, wie viele Bilder es von ihr gibt, es müssen über die Jahre hinweg sehr viele geworden sein. Noch heute ist sie der Mittelpunkt des Gartens, und das ist sehr schön so. Aber warum erzähle ich das? Das Wort der Cree, einem Indianervolk Nordamerikas, für die Felsenbirne ist Saskatoon. Und das ist dann wohl auch mit ein Grund, weshalb wir uns für diese Route entschieden haben und nicht über Regina weiter im Süden gefahren sind.

Und wir würden sagen, das war eine gute Entscheidung! Saskatoon gefällt uns gut. Es ist eine lebendige, freundliche Stadt, die jedoch weit von Hektik entfernt ist. Wir haben hier ein paar ruhige Tage verbracht, noch ein wenig Liegengebliebenes aufgearbeitet und auch einfach mal durchgeschnauft.

Gestern waren wir im Wanuskewin Heritage Park. Es ist ein non-profit Park der First Nations, genauer der Cree. Erläutert wird, wie das Gelände früher genutzt wurde, wo die Stämme die Winter verbracht haben, und das alles wird einleuchtend und anschaulich erklärt – vieles erschließt sich auch, wenn man die Wege über das wunderschöne Gelände begeht (wobei man übrigens an etlichen wilden Felsenbirnen vorbei kommt). Wanuskewin bedeutet so viel wie „in Frieden mit sich selbst sein“ – wir können uns gut vorstellen, dass die First Nations das in dieser grandiosen Landschaft auch waren.

Anschließend sind wir noch ein wenig durch die Stadt geschlendert, es gibt etliche Brücken, einen Park entlang des Saskatchewan-River und eine sehr schöne Innenstadt. Abends haben wir uns mit dem Freund einer Freundin getroffen – die Welt ist ein Dorf, dass wir jemand kennen, die hier jemanden kennt, hätten wir nicht erwartet (ein wenig offtopic: unsere Freundin Elke hat das Unternehmen Manager für Menschen gegründet – wer mal nach einer sinnvollen beruflichen Auszeit sucht, ist bei ihr bestens aufgehoben!). Danke Fergus, für den tollen Abend!

Durch das Gebiet rund um den Broadway, in dem wir uns abends getroffen hatten, sind wir heute nocheinmal ausführlicher geschlendert, zuvor waren wir allerdings im Western Development Museum. Da geht es um die Geschichte der Siedler, mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten und die Entwicklung der Arbeit auf den Farmen. In der Haupthalle wird auf das Leben um 1900 eingegangen – ein ganzer Straßenzug mit allen zu dieser Zeit üblichen Geschäften und Einrichtungen wurde nachgebaut. Toll gemacht! Als Ergänzung gibt es eine Fahrzeugausstellung mit Oldtimern und ein paar besonderen Gefährten.

Abgeschleppt

So ganz eigentlich wollten wir ja gestern zu dem netten, kleinen Badesee, unser Auto hatte allerdings andere Pläne. Durch einen der Orte an der Straße wollten wir durchfahren (wir wollen nicht immer nur vorbeirauschen, wir haben ja Zeit), an einer Rechtskurve hat es schon komisch geklungen, ab der nächsten Linkskurve ging dann gar nichts mehr. Beim Gang einlegen kam ein fürchterliches Krachen, an eine Weiterfahrt war nicht zu denken. Glücklicherweise waren wir an einem Ort mit Handyempfang und noch glücklicher waren wir darüber, dass wir vor Abfahrt eine AAA-Premium-Mitgliedschaft abgeschlossen haben. Das ist das Pendant zum ADAC, das auch in Kanada funktioniert. 

Was uns sehr beeindruckt hat: während der Wartezeit auf den Abschleppwagen hat jedes Auto, das an uns vorbei gefahren ist, angehalten und es wurde von allen Hilfe angeboten. Da ist keiner einfach so vorbei gefahren! 

Somit sind wir etwas früher als geplant in Saskatoon gelandet, die gut 200km Abschleppstrecke sind in der Mitgliedschaft enthalten. Puh! Das Gleichlaufgelenk zur Übertragung von Antrieb auf Vorderachse war einseitig gebrochen – Bernhards (der Abschleppdienst) erste Diagnose war absolut korrekt. Canadian Tire hatte das Teil vorrätig und wir haben heute früh den erstmöglichen Termin für die Reparatur bekommen. Die Nacht haben wir auf deren Parkplatz verbracht, wir konnten ja nicht weg… Nach einer guten Stunde Wartezeit konnten wir unser mobiles Zuhause wieder in Empfang nehmen und sind inzwischen auf einen Campingplatz in Saskatoon weitergefahren. 

Das Abschleppen selbst war eine eigene Geschichte, die uns zwischendurch ein wenig skurril vorkam, aber irgendwie auch gut war. Das Abschleppunternehmen ist ein Familienunternehmen, von Bernhard und seiner Frau betrieben. Bernhard spricht ein wenig deutsch, seine Mutter kommt aus Deutschland und er war hier auf einer deutschen Schule. Natürlich kamen wir unterwegs ein wenig ins Gespräch, und so saßen wir dann irgendwann in der Provinz von Kanada in einem Abschleppwagen, haben uns mit einem Typen, der optisch eine Mischung aus Vin Diesel (Kopf) und Bud Spencer zu seiner besten Zeit (Körper) mit großflächigen Tätowierungen ist, über deutsche Musik wie Heino und Heintje (ja, wissen wir, kommt aus Holland, aber sein Hit MAMA ist einfach unvergessen!) unterhalten und über samstägliche Polkaabende mit Tante Erika gefachsimpelt. Herrlich!

Riding Mountain National Park

Ein weiteres Highlight auf dem Weg nach Westen liegt nördlich von Brandon, der Riding Mountain National Park. Da wir auch noch ein paar andere Nationalparks vor uns haben, haben wir uns gleich eine Jahreskarte gegönnt. damit können wir uns solange wir wollen innerhalb der Parks aufhalten (lohnt sich bereits ab 6 Tagen). Am südlichen Eingang befindet sich der Ort Wasagaming, ein paar Menschen leben tatsächlich hier, ansonsten gibt es Lebensmittel, Souvenirs, Restaurants und sonstiges. Und natürlich neben einer Info auch einen Campingplatz! Der ist riesig, wir hatten schon Bedenken, ob das eine Massenabfertigung wird, war es aber nicht – der Stellplatz war toll!

Wasagaming ist wunderschön gelegen, direkt am Clear Lake, der seinem Namen alle Ehre macht. Donnerstag sind wir nur noch ein wenig spazieren gegangen, durch die Läden gebummelt und haben überlegt, was wir Freitag ansehen. Das war aber eigentlich sehr schnell beschlossen: im Nationalpark gibt es ein riesiges Gehege, in dem eine Bisonherde lebt. Die Fahrt führt über eine Schotterpiste durch den Wald, der immer wieder durch kleine Seen und Bäche aufgelockert wird – wir können uns nicht sattsehen! Die Bisons haben wir dann auch gefunden, sie lagen faul in der Mittagshitze und haben nebenbei ein wenig gefressen. Trotzdem wahnsinnig beeindruckende Tiere, die sehr viel Würde ausstrahlen.

Auf dem Rückweg haben wir die kleinen Nebenstraßen genommen, auf einer hat vor uns dann noch eine Elchkuh mit Kalb die Straße überquert. Da waren wir leider nicht schnell genug mit der Kamera, aber ins Hirn hat sie sich eingebrannt. Vielleicht sehen wir ja irgendwann noch mehr.

Heute hatten wir überlegt, noch eine Nacht auf einem anderen Campingplatz im Park zu bleiben, aber schon mittags bei unserem Stopp wurden wir von Moskitos überfallen (naja, mehr ich…). Zudem hat sich ein Gewitter angekündigt, also sind wir eben weiter nach Yorkton in der Provinz Saskatchewan gefahren. Schade, so ein wenig Park wollten wir noch genießen, aber da müssten auch noch welche ohne Blutsauger kommen. Morgen geht es weiter, auf dem Übernachtungsparkplatz haben wir noch einen Tipp für einen kleinen Salz-Bade-See bekommen, der liegt eh auf dem Weg!

Zwischenstopp in Brandon

Zwischen Winnipeg und Calgary liegen zwar auf direktem Weg gut 1300km, aber nicht so sehr viele Attraktionen. Das Beeindruckende ist die Landschaft. Wir nehmen zusätzlich mit, was uns auffällt und reizt. So zum Beispiel eine Restaurantempfehlung aus unserem Reiseführer in Brandon. Wir waren beide schon sehr lange nicht mehr gut indisch essen, da kam uns The Chilli Chutney gerade recht. Wir sind gemütlich in Winnipeg aufgebrochen und auch ebenso gemütlich nach Westen gefahren. Gelegentlich kam eine Kurve, da muss man dann schon aufpassen, dass man keine verpasst… Ansonsten war die Strecke ziemlich gerade. 

In Brandon gibt es alles, was man so braucht, ist auch die zweitgrößte Stadt der Provinz Manitoba. Ansonsten steppt jetzt nicht gerade der Bär. Der Umweg hat sich dennoch gelohnt – das Essen war fantastisch und Brandon ist einfach nett. Nach einem kleinen Stadtbummel haben wir uns ein wenig im Park herumgetrieben und uns mit einer unheimlich freundlichen Dame unterhalten. Im Hintergrund sind währenddessen ein paar Biber umhergeschwommen.

Überhaupt haben wir bisher sehr viele sehr nette Kanadier kennengelernt. Auf den Campingplätzen kommt man schnell und einfach ins Gespräch, die wichtigsten Fragen sind immer „woher“ und „wohin“. Also nicht viel anders als am Ankerplatz oder in einer Marina. Sobald wir erzählen, dass nur unser Auto aus den USA kommt, geht natürlich die Fragerei los, wie wir denn dann hierher kommen. Bisher wurden wir immer interessiert nach unserer Route gefragt und unheimlich viele kennen Europa, waren schon dort (nicht mit der Army!) oder haben Eltern/Ehepartner (die Dame in Park) oder sonstige Verwandte, die dort geboren sind, die Mehrheit bisher hat deutsche Wurzeln. So haben wir z.B. auch von einer Familientrennungsgeschichte zwischen Weltkrieg und Mauerbau gehört – wohl eine typisch deutsche Geschichte, so der Sohn des nach Kanada ausgestoßenen Familienmitglieds. Der dadurch der einzige war, der außerhalb der Mauer sein Leben leben konnte.

Da sehr viele den Sommer nutzen, Kanada zu durchqueren, läuft man sich gelegentlich über den Weg und kann Infos austauschen, auch ein wenig ähnlich wie beim Segeln 😉 Wir sind schon gespannt, wenn wir unterwegs noch alles wiedersehen, zumindest eine Verabredung kurz vor Calgary haben wir jetzt schon für Anfang Juli.